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Die Bedeutung und Symbolik der Vulva | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von Hannelore Vonier   
sheilastatueIn unserer patriarchalen Gesellschaft ist die Sexualität nach dem kirchlich-christlichen Weltbild geregelt und den Moralvorgaben der Kirchenväter unterworfen (sexuelle Zwangsmoral). Die Gesetze des Staates entsprechen dieser Ideologie, was sich in der Unterdrückung der Sexualität von Kindern und Jugendlichen, Onanie-Verbot, Verbot der Zurschaustellung des nackten Körpers in der Öffentlichkeit oder den Gesetzen der Geburtenregelung (bedingte Abtreibung, Verschreibungspflicht von empfängnisverhütenden Mitteln) offenbart.
Dass dies nicht immer so war, machen die historischen Vulva-Symbole deutlich, die wir heute noch vorfinden.

Sheila-na-gig

Die geschnitzte Darstellung einer nackten Frau, die mit gespreizten Knien hockend ihre Vulva präsentiert, die als vesica piscis oder doppelt zugespitztes Oval gezeigt wird, ist in der nordischen Mythologie das Symbol für die Ahnfrau Sheila-na-gig. Manchmal weist die Figur die vesica mit beiden Händen auseinandergezogen vor oder öffnet sie mit einer Hand. Sheila-na-gig-Figuren gab es überall in alten irischen Kirchen, die vor dem 16. Jahrhundert gebaut worden waren. Vielen begegnete man noch im 19. Jahrhundert, aber durch viktorianische Prüderie wurden sie häufig beschädigt oder zerstört. Viele Figuren fand man vergraben in der Nähe jener Kirchen, die sie einst geschmückt hatten.

Sie ähneln den yonischen Statuen der Kali an den Eingängen von Hindu-Tempeln; hier feuchten die Gläubigen einen Finger an und berühren die glückbringende Yoni.

Andere Webseiten:

Sheila-Na-Gig bei
Spiritvoices

puppet

Diese und andere Vulvas sind erhältlich bei The Wondrous Vulva Puppet

Die älteren Yonis sind durch die vielen Berührungen tief ausgehöhlt. In der irischen Überlieferung lebt sie weiter als Caillech oder "Alte Frau", die gleichzeitig Todeswächterin und Schöpfungskraft versinnbildlicht.

Die Herkunft des Ausdrucks Sheila-na-gig ist dunkel. Er bedeutet vielleicht so etwas wie "Vulva-Frau". Gig oder Giggie steht für weibliche Genitalien und könnte mit dem irischen jig verwandt sein. Dieser Tanz stammt von der französischen gigue und war in vorchristlicher Zeit ein orgiastischer Tanz.

BAUBO

Die "Baubo", eine Göttin aus der griechischen Antike, versinnbildlicht noch in patriarchaler Zeit das Sprechen mit der Yoni. Yoni ist ein Wort aus dem Sanskrit und es kann als Vulva, Schoß, Ursprung und Quelle übersetzt werden. Mit Yoni ist der ganze weibliche Genitalbereich gemeint.

Die Beschreibung der Baubo erinnert an die jungsteinzeitlichen Figurinen ohne Arme und Beine, jedoch mit ausgeprägten Brüsten, Bäuchen oder auch Geschlechtsorganen. In dem Mythos von Demeter und Baubo (vgl. Eleusinien) ist es gerade die Tatsache, dass Baubo ihre Vagina zum Sprechen benutzt, und dadurch Besonderes bewirkt.

In Clarissa Pinkola Estés' Buch "Die Wolfsfrau" erwähnt die Autorin ein spanisches Sprichwort: "El habla por en medio de las piernas": Sie spricht durch die Organe zwischen ihren Beinen.

Damit ist die intuitive, schlagfertige, offene Ausdrucksweise einer Frau gemeint, die auch eine fröhliche Art von sexuellem Humor beinhalten kann, frei von falscher Scham, unverblümt und direkt.

Baubo, die Weisheit des Bauches, vermittelt die Idee, dass ein gewisses Maß an Frivolität speziell die Frauen in patriarchalen Systemen aus einer Depression herauskatapultieren kann. Hier ist tatsächlich eine bestimmte despektierliche Unverschämtheit, oft heilsamer als ein ganzer Schrank voller Arzneien.
Pietätlose Formulierungen und eine spielerische Albernheit, bei der die Grenzen des sogenannten "guten Geschmacks" (nach patriarchaler Definition!) gesprengt werden, graben der Opferhaltung und dem Selbstmitleid das Wasser ab.
So wird die Libido stimuliert; das Interesse am Leben und an der Lust glüht wieder auf.

bauboRechts:
"Baubo" von

Baubo, die Bauchweisheit, benutzt ihre Brustwarzen wie andere die Augen. Für Männer ist das manchmal ein unerklärliches Phänomen, aber Frauen sagen: "Ich weiß genau, was du meinst." Die weiblichen Brustwarzen sind ein psychisches Sinnesorgan. Sie reagieren auf Temperaturschwankungen, auf Angst, Zorn, Geräusche, Blicke und andere Stimulanzien. Sie "sehen" Dinge, die die Augen womöglich übersehen. (Vgl. auch Lustgefühle beim Stillen - weise Einrichtung für Mutter und Kind)

Was die "sprechende Vagina" von Baubo betrifft, so kann man sie als ein Symbol für die fundamentalen Wahrheiten verstehen, die aus dem Bereich des Urschlunds kommen, der primae materia.

YONI

omegaDas Hufeisen ist eine Stilisierung der Yoni und symbolisiert Eingänge und Ausgänge im allgemeinen. Druidische Tempel wie auch hinduistische und arabische Torbögen bezeugen die Wichtigkeit der Yoni.
Das geheiligte Alphabet der Griechen beinhaltete "alle Dinge" (Buchstabensymbole) zwischen dem Geburtsbuchstaben Alpha und dem hufeisenförmigen Omega, dessen Name wörtlich "großes Om" bedeutet und das Ende eines jeden Kreislaufs darstellt.

Dem christlichen Gott wurde das "das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende" (Offenbarung 1,8) angedichtet, die Bezeichnung, die anfänglich für die Ahnin der Geburt und des Todes verwendet wurde. Das omegaförmige Hufeisen hing aber weiterhin als Glückszeichen über Türschwellen. Wie in heidnischen Zeiten, so schützte es die Schwelle auch während der gesamten christlichen Epoche. Aber es gab immer Kontroversen darüber, ob seine Öffnung nach unten oder nach oben deuten solle: Die orthodoxe Frömmigkeit wollte es, dass das Omega umgedreht werden sollte, damit "das Glück nicht heraus rinnen könne", die heidnische Tradition jedoch war der Meinung, dass das symbolische, yoniförmige "Tor" seinen ursprünglichen, nach oben gerichteten Bogen behalten solle: als Durchgang.

Die beiden Arten, wie man das Hufeisen aufhängt, entsprechen nicht zufällig den magischen Zeichen von Drachenkopf und Drachenschwanz, dem aufsteigenden und absteigenden Mondknoten. Hier geht es um den Weg des Mondes über und unter der Ekliptik: Wenn man ihn nachzeichnet, kommt eine Wellenlinie zustande, die die Mond-Schlange darstellt.

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