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Als meine Tochter vier oder fünf Jahre alt war und ich versuchte,
etwas Positives an Menstruationskrämpfen, schlechter Laune und all den
anderen 'Freuden' des weiblichen Lebens zu finden, entstand ganz
spontan die Urahnin Menses und zwar aus einer schlichten Situation:
eine mies gelaunte Mama, eine kleine Tochter, die fragt warum, und die
Notwendigkeit einer überzeugenden Erklärung.
Also erzählte ich, dass die Urahnin Menses einmal im Monat den
Körper jeder Frau besucht. Menses ist eine sehr, sehr unberechenbare
Ahnfrau. Manchmal kommt sie leise und fast unbemerkt, manchmal kündigt
sie ihren Besuch mit heftigem Klopfen und Ziehen an. Während fließendes
Blut bei Männern immer Anzeichen für eine Krankheit oder Verletzung
ist, ist das Blut, das die Göttin mitbringt, ein Zeichen des Lebens,
eine Reinigung des Körpers.
Und ich erzählte ihr, dass die Ankunft der Ahnin ein Grund zum
Feiern ist, ein Anlass sich mit Blumen oder anderen Kleinigkeiten eine
Freude zu machen. Die schlechte Laune käme, wenn man nicht auf
Anzeichen des Körpers achtete. Hätte ich das Ziehen bemerkt, wäre ich
besonders nett zu mir gewesen (und hätte vielleicht ein paar Aspirin
oder ein heißes Bad genommen).
Diese Erklärungen machten mir schlagartig klar, wie wichtig es sein kann, uns unsere privaten Urmütter zu schaffen.
Meine kleine Ahnfrau sorgt für eine positive Besetzung des Menstruationszyklus.
Sie ist eine temperamentvolle, energische stets zu Streichen
aufgelegte Person. Mal kommt sie zu früh, mal zu spät, mal still und
unauffällig, mal stürmisch, mal kneift sie uns ein bisschen, dann
wieder zerreißt sie uns fast, aber sobald wir ihre Ankunft bemerkt und
akzeptiert haben, beruhigt sie sich und ist's zufrieden - bis zum
nächsten Mal.
Jetzt wo das Klimakterium näher rückt, ist mir klar, dass ich die
Urmutter Menses vermissen werde. Ich muss sie verlassen, um eine neue
Gefährtin zu finden und ich frage mich, wie sie
wohl heißen mag?
+++
Quelle:
Frauenkörper - Frauenweisheit, Christiane Northrup
*[Text leicht verändert]
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