HomeNeu hier?InhaltsverzeichnisExtrasLinksKontakt
Sie sind hier: Home arrow Alltagsleben, Praxis arrow Zusammenleben arrow Auf der Suche nach Menschlichkeit
Auf der Suche nach Menschlichkeit PDF  | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von Bernd Hercksen   

Wie kommen wir zu einer menschlichen Zivilisation?

Der Fortschritt unserer Zivilisation ist beeindruckend - nichts scheint unmöglich, der moderne Mensch sprengt alle natürlichen Grenzen, wie Raumfahrt, Computer- und Gentechnik zeigen. Gleichzeitig ist gerade die Moderne voll von Gewalt und Kriegen, von Ungerechtigkeit und Ausbeutung von Mensch und Natur - die Menschheit ist im Begriff, den Planeten Erde zu verwüsten und unbewohnbar zu machen. Die Jahrtausende unserer bekannten Geschichte stellen sich im Rückblick nicht anders dar als eine Abfolge sich bekämpfender Großreiche und Imperien, die die Welt nach ihrem Bilde formten und formen. Damals wie heute berauscht sich die Elite an ihrer Macht und ihrem Reichtum, während die arbeitende Bevölkerung fast nichts zu sagen hat und sich mit dem zufrieden geben muss, was die Mächtigen ihr momentan zugestehen. Die Hoffnung auf eine bessere Welt ist eine Illusion, die Welt war immer so und wird nie anders sein - so scheint es zumindest.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und den Massenmedien verdichten sich jedoch die Erkenntnisse, dass die Welt nicht immer so war. Es gab vor langen Zeiten eine ganz andere Hochkultur und Zivilisation, in der es keine Kriege, keinen Privatbesitz und keine Ausbeutung gab, eine Welt, in der jeder Einzelne als wertvolles Mitglied der Gesellschaft galt und sich freiwillig für sie einsetzte. Die Rede ist vom Matriarchat, das bisher immer nur als primitiver Urzustand der Menschheit beschrieben wurde, in dem abergläubische Jäger und Sammler sich noch kaum vom Tier unterschieden und täglich um ihr Überleben kämpfen mussten. Diese Vorstellung aber ist veraltet.

Die matriarchale Zivilisation war auf ihrem Höhepunkt in Kreta - der "Mutter Europas" - eine Hochkultur mit Städten, einem Straßennetz und Stadtplanung, großen Wohnpalästen, einer großen Handelsflotte für ihre weitreichenden Wirtschaftsbeziehungen und last not least einem reichen Kulturleben, bevor sie von kriegerischen patriarchalen Völkern zerstört wurde.

Im Licht der modernen Matriarchatsforschung kann man also zwei gegensätzliche Zivilisationsmodelle unterscheiden: Das Matriarchat (in Europa bis 1500 vor Chr.) und das Patriarchat, also die sogenannte Geschichte seit der Antike. Die Merkmale dieser beiden Formen von Zivilisation lassen sich am besten aus ihrer geschichtlichen Entwicklung erklären:

Matriarchat

Es ist eine menschliche Kulturform, die sich in den hunderttausenden von Jahren menschlichen Zusammenlebens während der Altsteinzeit vorbereitete. In diesen langen Zeiträumen entwickelten die Menschen Sprache, Riten und Mythen, um ihren Zusammenhang mit Natur und Kosmos symbolisch auszudrücken und diese ersten Formen weiblich geprägter Kultur und Religion an die Nachwelt weiter zu geben. Eine geradezu rasante Entwicklung, auch neolithische Revolution genannt, nahm die menschliche Kultur dann mit der Entwicklung von Acker- und Gartenbau und der Viehzucht - die Menschen wurden sesshaft und bauten bald Hütten und Häuser, sammelten ihre Vorräte in Tongefäßen und perfektionierten ihre handwerklichen Fähigkeiten. Vor mehr als 10.000 Jahren entstanden die ersten Städte und auch Anfänge einer Schrift um ca. 7.000 vor Chr.

Archäologische, kulturhistorische, ethnologische und volkskundliche Erkenntnisse über vergangene und gegenwärtige matriarchale Gesellschaften ergeben ein klares und eindeutiges Bild: Die matriarchalen Gesellschaften waren friedlich und lebten ohne Privatbesitz in Clans, die matrilinear organisiert waren - die Abstammung ging auf die Mütter zurück, nur die Männer verließen nachts den Clan, um Liebesziehungen mit Frauen anderer Clans zu pflegen. Alle Clanmitglieder - Männer und Frauen - waren gleichberechtigt und entschieden gemeinsam die Geschicke des Clans.

Die Ältesten - hoch geachtete alte Frauen und Männer – wurden bei Bedarf um Rat gefragt. Jeder Clan entsandte Delegierte zu den Ratsversammlungen, die die Fragen des Dorfes, der Stadt oder der Region entschieden, auch hier wurde nach dem Konsensprinzip entschieden.

Es gab keine Trennung von Profanem und Heiligem, der Alltag war durchdrungen von spirituellen Ideen, alles hatte Bedeutung. Im Mittelpunkt stand die Verehrung des Lebens, symbolisiert in der Erdgöttin, die nichts anderes war als der Planet Erde in seinen vielfältigen Landschaften und lebendigen Ökosystemen. Alles in allem ist das Matriarchat keine „heile Welt“, auch die damaligen Menschen hatten ihre Konflikte und Probleme, sie wurden aber nicht von oben unterdrückt oder verboten, sondern gemeinsam gelöst und gehörten einfach zu den Lebensaufgaben.

Patriarchat 

Das Patriarchat entstand ca. 3.500 vor Chr., wahrscheinlich nach einer großen Dürre und Wüstenbildung in der Sahara, in Arabien und in Zentralasien. Nach chronischen Hungersnöten und Dauerstress brachen die matriarchalen Gemeinschaften auseinander, Männerhorden überfielen ihre Nachbarn, Mord und Totschlag breiteten sich aus, Verzweiflung, Angst und Hass deformierte die Charakterstruktur der Menschen und verewigte sich in Zwangserziehungsmethoden wie dem Verschnüren von Babies.

Gewalttätige Wüstenstämme überfielen die matriarchalen Dörfer und Städte der noch fruchtbar gebliebenen Flusstäler des Nil, des Euphrat/Tigris und des Indus und verbreiteten ihre deformierte Lebensform, also Angst, Schrecken, Gewalt und Macht. Die Eroberer wurden sesshaft und formten die matriarchale Gesellschaft nach ihren neuen kriegerischen und patriarchalen Idealen um: schrankenlose Macht und Reichtum für die Elite auf Kosten der unterworfenen Menschen und der Natur.

Die matriarchale Religion wurde zur patriarchalen, die Sozial- und Wirtschaftsstruktur änderte sich, Privateigentum mit väterlicher Erbfolge, Staat und Geld wurden die Säulen der neuen Weltordnung. Nicht mehr die Leben spendende Erde wurde verehrt, sondern ein männlicher Gott, am Anfang meist als Sonnengott. Alle diese Machtsysteme gingen von den zentralen Herrschaftssitzen und Städten aus und waren in ihnen konzentriert. Von dort überzogen und durchdrangen sie das Land mit seinen Provinzen, das umgekehrt als rückständig und geistlos galt.

Unten standen im Patriarchat die Provinz, das Alltagsleben und die Frauen - in ihnen blieben die letzten Reste des früheren Matriarchats verkörpert, wenn auch in verzerrter Form. Den "Bodensatz" bildet die vorher geheiligte Natur, die im Patriarchat bloß noch Ausbeutungsobjekt war. Alte Mythen, Märchen und Heil- und Pflanzenkunde bewahrten das alte Erbe, bis der größte Teil dann in den blutigen Hexenverfolgungen am Beginn der Neuzeit ausgelöscht wurde. Der Mythos des ursprünglichen, "natürlichen" Landlebens blieb jedoch erhalten, gelangweilte Adelige und später Bürger kokettierten mit der romantischen Bewegung "zurück zur Natur". Die vom Geist der verstandesklugen Aufklärung disziplinierte Elite konnte sich eine solche emotionale Fluchtbewegung in die Vergangenheit leisten, die Erinnerung an das alte Erbe des Matriarchats war fast gänzlich ausgelöscht, es blieb nur noch ein verschwommener Traum vom "Garten Eden" und vom Paradies, aus dem angeblich Gott die Menschen vertrieben hatte.

Neuzeit 

Die Epoche der Moderne ist die höchste Stufe des Patriarchats, auf der es so unsichtbar geworden ist, dass manche Feministinnen schon sein Ende kommen sehen. Nichts wäre falscher! Das Patriarchat ist weit mehr als die Herrschaft von Männern über Frauen - es ist ein Gesellschaftsmodell, in dem sich ein größenwahnsinniges und pathologisches System alles Lebendige unterwerfen will, es ist der System gewordene Kampf gegen alle Beschränkungen, die den patriarchalen Allmachtsphantasien im Wege stehen. Kein Wunder, dass die teuerste Show aller Zeiten, die Mondlandung, als ultimativer Triumph der patriarchalen Zivilisation gefeiert wurde.

Dieses moderne patriarchale System folgt nicht nur dem Ideal der Maschine, die es als Gott verehrt, es ist selbst eine solche - die Megamaschine. Wegbereiter war die Wissenschaft als neue Religion der Moderne. Sie ist immer dem Ideal der Naturwissenschaft verpflichtet, womit aber keineswegs die lebende und lebendige Natur gemeint ist, die das Matriarchat als Quelle allen Seins verehrte. Natur, das ist für die Moderne die tote Natur, die bloße Materie. Ihre Nutzung und Beherrschung ist das neue Paradigma, denn die Moderne kann nur als Gegenbewegung zum geistigen, christlich-dogmatischen Mittelalter richtig verstanden werden.

Die neuen Hohepriester der Wissenschaft, die europäische Scientific Community wetteiferten in der Entdeckung von Naturgesetzen der toten Materie. Je erfolgreicher diese Suche war, desto mehr verallgemeinerten die patriarchalen Denker dieses neue Weltbild und übertrugen es auf die Gesellschaft, was dann "Aufklärung" genannt wurde.

Das automatisch um die Sonne sich drehende Planetensystem war die erste Maschine, für die sich eine gesellschaftliche Analogie anbot: der absolutistischen Staat. Kein Wunder, dass kurz darauf der erste absolute Herrscher seine mit reichlich antiken Bezügen garnierte Show abzog - der Sonnenkönig Ludwig XIV. Das Bürgertum trat wenig später mit einem neuen Maschinenmodell auf den Plan, das den früheren  absolutistischen Staat auf einmal alt aussehen ließ: die Geldmaschine. Sie ist zwar fast genauso alt wie ihr Konkurrent, der patriarchalische Staat, bot aber der neuen Herrscherklasse des Bürgertums viel bessere Bereicherungsmöglichkeiten. Wohin die Reise gehen sollte, machte es schon ganz am Anfang der französischen Revolution deutlich. Plünderer des Stadtschlosses der französischen Herrscher wurden sofort am nächsten Laternenpfahl aufgeknüpft, denn beim geheiligten Privateigentum verstand die neue Klasse keinen Spaß.

Adam Smith als Prophet der Geldmaschine, beschönigend "freie Marktwirtschaft" genannt, verschaffte dem Bürgertum dann in der industriellen Revolution ein ruhiges Gewissen. Er behauptete, dass das "freie Spiel der Kräfte" in der Marktwirtschaft für alle Beteiligten das Beste sei, eine "unsichtbare Hand" würde den Egoismus der Wirtschaftssubjekte auf wundersame Weise in das Wohl der Allgemeinheit verwandeln. Dass die massenhaft in frühkapitalistischen Fabriken schuftenden Proletarier trotz eines 14-Stunden-Arbeitstags kaum genug zum Überleben hatten, tat dabei nichts zur Sache.

Das rief die Verfechter einer alternativen Staatstheorie, die Marxisten auf den Plan. Sie wollten die Geldmaschine abschaffen und stattdessen eine kommunistische Staatsmaschine - die Zentralverwaltungswirtschaft - an die Macht bringen. Diese Aussicht erschreckte das herrschende Bürgertum so sehr, dass es den Proletariern ein Zugeständnis nach dem anderen machte. Besonders spendabel war es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, um dem nach dem 2. Weltkrieg neu entstandenen kommunistischen Imperium das Wasser abzugraben. Doch kaum war dieses Ende der 80er Jahre zusammengebrochen, war Schluss mit lustig.

Alle sozialen Zugeständnisse werden jetzt wieder rückgängig gemacht, das 3000-jährige Patriarchat zeigt mit seiner neuen Strategie der "Globalisierung", also des totalen Wirtschaftskrieges gegen Mensch und Natur ihr wahres Gesicht. "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", diese Devise stand am Anfang und steht nun auch am Ende des globalkapitalistischen Patriarchats. Das Ende ist der drohende Kollaps der Natur, die jetzt nach dem Großangriff der globalen Patriarchatsmaschinerie immer mehr aus dem Gleichgewicht gerät.

Das Unheil einer vergifteten und verwüsteten Erde, auf der die Temperatur immer schneller ansteigt und alle ökologischen Selbstheilungsmechanismen versagen, das Unheil einer unmenschlichen, lebensfeindlichen und krank machenden Gesellschaft macht einen grundlegenden Umbau der Zivilisation zu einer zwingenden Notwendigkeit. Kleine Korrekturen am Räderwerk des globalen Patriarchats reichen dafür beileibe nicht aus. "Man kann Probleme nicht mit dem Gedankensystem lösen, das sie erzeugt hat", sagte Albert Einstein einmal. Es geht also um ein neues, menschliches und umweltfreundliches Zivilisationsmodell - das patriarchale hat seine Unfähigkeit zur Problemlösung längst bewiesen, es ist selbst das Problem.

Perspektiven

Dank der neuen Erkenntnisse der Matriarchatsforschung fällt eine solche Entscheidung zum Glück nicht schwer. Das Matriarchat ist ein Erfolgsmodell menschlicher Entwicklung und Geschichte, es hat in vielen Jahrtausenden seine menschliche und ökologische Qualität bewiesen und in den letzten Jahrtausenden vor seiner Zerstörung eine erstaunliche soziale und technische Entfaltung zuwege gebracht, die die Basis auch für das nachfolgende Patriarchat war.

Die Frage ist allerdings: Wie könnte die Menschheit dem Patriarchat ein Ende machen, bevor es ihr ein Ende macht? Natürlich kann diese letzte globale Revolution nicht nach dem Vorbild der ersten globalen Revolution ablaufen, als das Patriarchat fast alle Matriarchate der Welt eroberte und als Gesellschaftsordnung zerstörte. Ziel und Methode dürfen sich nicht widersprechen - das zeigt auch das Beispiel der damals angegriffenen matriarchalen Gesellschaften. Sie mussten zentralistische Herrschaftsstrukturen aufbauen, um sich militärisch erfolgreich gegen die patriarchalen Eroberer verteidigen zu können - und wurden so selbst zu Patriarchaten.

Die Basis für eine erfolgreiche friedliche Revolution können nur die Kräfte sein, die schon jetzt die destruktive Dynamik des globalen Patriarchats erkennen und sich dagegen wehren, Menschen, deren Gewissen noch genügend wach und nicht von den patriarchalen Verdummungsmedien zugeschüttet ist. Die entscheidende Vorraussetzung dafür, dem Patriarchat erfolgreich zu widerstehen, es zurückzudrängen und durch eine matriarchale Alternative ersetzen zu können, ist die Aufhebung der Zersplitterung und fehlenden Kooperation dieser alternativen Menschen, Gruppen und Bewegungen.

Eine solche dringend gebotene Zusammenarbeit ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Es fehlt ein gemeinsames Paradigma, ein geistiges Kraftfeld, das dieses in tausend verschiedene Gruppierungen und Einzel-Weltanschauungen auseinander dividierte vorpatriarchale Potential zu einem gemeinsamen Bewusstsein und dann zu gemeinsamem Handeln zusammenführen könnte.

Das Matriarchat als vergangenes und auch zukunftsfähiges Zivilisationsmodell ist dieses Paradigma. Es ermöglicht endlich ein umfassendes Geschichtsverständnis - woher kommen wir und wohin können wir gehen. Erst eine solche ganzheitliche, geschichtlich fundierte Weltsicht ermöglicht es, die heutigen lebensbejahenden Einzelbewegungen in einen inneren Zusammenhang zu bringen. Bis jetzt sind diese Bewegungen nur ein Spiegel des in Widersprüche und Brüche zerrissenen patriarchalen Systems. Idealismus gegen Materialismus, Individualismus gegen Kollektivismus, Anarchismus gegen Marxismus, Zivilisation gegen Natur, Männer gegen Frauen, Alte gegen Junge, Sozialdemokraten gegen Grüne - diese Liste ließe sich fortführen.

Der erste Schritt könnte sein, die matriarchale Perspektive überhaupt mehr bekannt zu machen - durch Vorträge, Schriften und andere Medien -, und zwar nicht im Rahmen einer neuen straff geführten Organisation, sondern als lockeres Bündnis der Frauen und Männer, die ihren Willen und ihre Fähigkeiten dazu einbringen wollen.

Dieses neue Weltbild spricht sicher nicht alle Menschen an, sondern setzt bestimmte Einschnitte in der Sozialisation der Betreffenden, aber auch patriarchatskritische Erkenntnisse voraus, so etwa die Betroffenheit angesichts der Verwüstung der Biosphäre bei den Naturschützern oder den Wunsch nach einer herrschaftsfreien Gesellschaft bei den Anarchisten.

Es ist also zu erwarten, dass die von der matriarchalen Perspektive angesprochenen Menschen ihre neuen Erkenntnisse auch dem Kreis ihrer Gleichgesinnten und ihrem alltäglichen Umkreis vermitteln wollen.
Damit werden allerdings die hierarchischen und auf Effizienz getrimmten Organisationen, die bestimmte Reformen innerhalb des Bestehenden durchsetzen wollen, Probleme haben - die neue Perspektive geht weit über die Einzelreform hinaus, sie ist im Prinzip revolutionär. Die matriarchale Sozialstruktur verbietet jedoch einen klassischen Machtkampf oder eine Unterwanderung mit dem Ziel der Machtergreifung - sie setzt auf Konsens und die Überzeugung jedes Einzelnen. Wenn also die Organisation sich gegen die neue Perspektive verschließt, dann werden ihre AnhängerInnen einfach eine neue, diesmal konsensorienterte Gruppe gründen.

Im Endeffekt werden am Ende dieser Phase viele locker organisierte Gruppierungen sich um das neue Paradigma herum formieren und versuchen, seine Impulse in die Wirklichkeit umzusetzen. Dabei vermute ich zwei verschiedene Schwerpunkte und Möglichkeiten, die sich gegenseitig sehr gut ergänzen: einmal die Veränderung des eigenen und regionalen Lebenszusammenhangs und zum anderen die Veränderung der großen patriarchalen Institutionen, in denen sich ja immer mehr gesellschaftliche Energie konzentriert hat.

Der Umbau der Lebenswelt kennt viele Möglichkeiten auch in der Zusammenarbeit mit schon bestehenden Initiativen, die hier nur stichpunktartig aufgezählt werden können: Alternative Lebensformen und -gemeinschaften, Nachbarschaftshilfen, Tauschringe und regionale Währungssysteme, Wohngruppen und vieles mehr. Die absehbare Krise oder sogar der Zusammenbruch der patriarchalen Institutionen z.B. bei einem Finanzcrash macht eine solche Perspektive dabei zu einer wichtigen Motivation, um den Absturz der Menschen in Elend, Gewalt und Vereinsamung zu verhindern und die Kräfte des Lebens zu bewahren.

Gleichzeitig braucht es aber auch eine Vision und Zielrichtung für den grundlegenden Umbau der gesellschaftlichen Institutionen. "Down-Sizing" und Demokratisierung sind wohl die wichtigsten Voraussetzungen, um die politischen Institutionen des Patriarchats umzugestalten.

Erst wenn das geschafft ist, können sie auch tatsächlich für die Durchsetzung der zweiten großen Herausforderung genutzt werden: eine andere Geld- und Bodenordnung. Das kapitalistische, zinstragende und auf Geldschöpfung aus dem Nichts beruhende Geldsystem ist die eigentliche Ursache für die destruktive Dynamik der Moderne.

Natürlich gibt es auch in anderen Gesellschaftsbereichen einen großen Bedarf an grundlegenden Reformen, über die es nachzudenken gilt.

"Wenn man sich die Zeit des Menschen auf dieser Erde mit 2000 Jahren vorstellt, dann gibt es Männerherrschaft erst seit einem Jahr", schreibt der Matriarchatsforscher Richard Fester. Graphisch dargestellt ist das auf einer zwei Meter langen Linie nur ein Millimeter. Hoffen wir, dass dieses eine Jahr bald zu Ende ist.


 

SUCHEN
Gratis Ebook

Am Anfang war
die Lust

Die erotische Ernährung durch Stillen
von Hannelore Vonier

Jetzt kostenlos anfordern!

Home | Inhaltsverzeichnis | Kontakt | Neu hier?