Über die
herrschaftsfreie
Gesellschaft:
Matriarchat
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Die Germanen gliederten ihre Zeit nach dem Umlauf des Mondes. Zeitangaben geschahen nach dem Stand des Mondes, nach Voll- oder Neumond. Die Tage zählten sie nach Nächten. Unser Weihnachten, Fastnacht, engl. fortnight (=Zeitraum von 14 Tagen) und schwäb. alem. heint 'heute' (aus ahd. hiu nachtu 'diese Nacht') sind sprachliche Zeugen dieses Brauches.
Den Tag verstanden die Germanen als Zwischenraum zwischen zwei Nächten und bezeichneten ihn mit untern,
was im Ahd. 'zwischen' (räuml. und zeitl.) bedeutet. Die Nächte wurden
punktuell gesehen. Die Zeit schrumpft im Schlaf zu diesem Punkt
zusammen.
Später wurde der Gebrauch von untern auf
einzelne Teile des Lichttages oder sogar auf Mahlzeiten, die während
einer bestimmten Tageszeit eingenommen wurden, eingeschränkt.
Unsere heutige Tages- und Zeiteinteilung wurde von den Römern und dem
Christentum übernommen. Sie stammt letztlich von den
vorderorientalischen Völkern, bei denen die Astronomie bereits eine
große Höhe erreicht hatte.
Die Juden zählten die Nacht zum darauf folgenden Tag: Der Sabbat dauerte von Freitagabend bis Samstagabend (vgl. unseren Heiligabend).
Die Griechen und Römer aber rechneten die Nacht noch zum vorigen Tag, der neue Tag begann am Morgen in der Frühe. Das Auspizienwesen (die religiöse Beobachtung von Vorzeichen) ließ jedoch eine andere Einteilung notwendig werden: Diese religiöse Einteilung von Mitternacht bis Mitternacht wurde von den Juristen später übernommen.
Im Christentum stießen alle drei Einteilungsarten aufeinander: die römische des Alltagslebens und die römisch-juristische, die schon in der Antike miteinander konkurrierten, und als dritte die jüdische.
Erstere war auch noch bis ins 15. Jh. bei uns am weitesten verbreitet.
Den Ausschlag für die heutige Zählung von Mitternacht bis Mitternacht gaben die zu Beginn der Neuzeit sich entwickelnde naturwissenschaftliche Astronomie und die damit verbundene Entwicklung der Schlaguhren (Schlaguhr: Uhr + Glocke) in den Städten. Damit wurde das Wort Tag doppeldeutig. Es bezeichnete einmal einen Zeitraum von 12 Stunden (=Tag im engeren Sinne) und außerdem noch einen Zeitraum von 24 Stunden (= Tag + Nacht).
In Griechenland und Rom wurde der Lichttag in 4 Teile geteilt: Die Einschnitte wurden um 9 Uhr (hora tertia 'die dritte Stunde'), um 12 Uhr (hora sexta 'die sechste Stunde'), um 15 Uhr (hora nona 'die neunte Stunde') gemacht.
Mane (6 Uhr) bedeutete den Beginn des Tages, den Morgen, vespera (18 Uhr) das Ende des Tages, d.h. den Beginn der Nacht. Die Christen hielten sich an diese Tageseinteilung auch bei ihren Gebetszeiten.
Tageseinteilung und Essenszeiten stehen im patriarchalen System eng miteinander in Beziehung, die Essenszeiten gliedern den Tag. Deshalb nimmt das Essen oft den Namen der Zeit an, zu der es eingenommen wird, oder die Tageszeit wird nach dem Mahl bezeichnet.
Bei den Germanen waren zwei Mahlzeiten am Tag üblich, wobei die Hauptmahlzeit auf den Abend fiel. Die Klöster führten das mittägliche Essen ein. Und erst die verfeinerte regelmäßige Lebensweise der Städter im 13. Jh. gestattete auch Zwischenmahlzeiten am Vormittag und am Nachmittag.
Tag hängt mit einem idg. Wort zusammen, das 'Hitze', 'Brand' bedeutet haben muss; vgl. aind. daha 'Brand', lit. dagas 'Sommerhitze'.
Das passt mit der Entstehung des Patriarchats durch die Wüstenbildung im indoeuropäischen Raum zusammen.
Nacht, alte Bezeichnung für die lichtlose Zeit zu lat. noct-, aind. nak(t)-.
Abend ist urverwandt mit griech. epí 'auf', epithe 'spät', 'hinten', und bedeutete zunächst den hinteren Teil des Tages.
Morgen. Dieses Wort ist zu einem idg. Verbalstamm *mer- zu stellen, der so viel wie 'flimmern', 'funkeln' bedeutet.
Ucht ist die alte Bezeichnung für die Morgendämmerung, den Tagesanbruch und die frühe Morgenzeit. Got. uhtwo, ahd. uohta, mhd. uhte, uohte bedeuten alle 'Morgendämmerung'. Im Ostfries., Niedersächs. und Westfälischen ist es heute noch in dieser Bedeutung vorhanden, ferner im Alem. in der Bed. 'Nachtweide'. Es ist eine Form, die aus der Schwundstufe der idg. Form *nokt- (vgl. Nacht) abgeleitet ist.
Reflexe der römisch-christl. Tageseinteilung sind auch heute noch vorhanden: Im Englischen lebt die hora nona als noon 'Mittag', afternoon 'Nachmittag' weiter. In Vesper (meist: 'Vor- oder Nachmittagszwischenmahlzeit'), vespern 'ein kleines Mahl einnehmen' ist die hora vespera noch enthalten. Dieser ursprüngliche Zeitbegriff nahm die Bedeutung der Mahlzeit an, die zu dieser Zeit gegessen wurde, nachdem die Vesper als christliche Gebetszeit im Laufe des Mittelalters aus praktischen Gründen in den Vormittag hinein verlegt worden war. Derselbe Vorgang liegt vor bei Bildungen wie "das Neune nehmen", "zu vier Uhr essen", die im dt. Sprachgebiet häufig sind. Diese Worte können aber erst nach der Einführung der Stundenuhr entstanden sein.
Das tirolerische Marende ist zu lat. merere 'verdienen', 'erwerben' zu stellen; merenda bezeichnete in Rom eine Mahlzeit.
Das vor allem österreichische Jause ist im 15. Jh. aus dem Slawischen entlehnt. Slow. júzina 'Mittagessen' zu aslaw. jugu 'Süden', 'Mittag', 'Südwind'.
Mittag ist eine zusammengesetzte Bildung von Adj. und Substantiv; ahd. mittitag, mhd. mittetac und flektierte Formen nach mittem tag (um 1350) zeigen das. Die Akzentverhältnisse vor dem Zusammenrücken zeigen z.B. die alemann. Mundarten: mitag. Die Zwischenzeit zwischen Mittag und Abend bezeichnet im Hochdeutschen der Nachmittag. Regional verschieden wurde der Geltungsbereich von Mittag ausgedehnt, bzw. der von Abend nach vorne gezogen.
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