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Sonnenwende - Sommersonnenwende (Mittsommernacht) und Wintersonnenwende | Drucken |  E-Mail

sonnenwende_schottland Die Sonnenwenden - wenn der Tag entweder am längsten oder am kürzesten ist - sind Angelpunkte innerhalb eines Jahres. Wie ein Schalter bringen sie einen Wechsel zu zunehmender oder abnehmender Lichtenergie mit sich - von den längeren Nächten zu den längeren Tagen, bzw. von den kürzeren Tagen zu den längeren Nächten.

Jede Sonnenwende stellt eine Pause innerhalb eines Wechselvorgangs in der Natur dar. Und jede liefert den Menschen einen bedeutsamen Hinweis, denn sie sind günstige Gelegenheiten, innezuhalten, eine Bestandsaufnahme des eigenen Lebens zu machen und sich mit dem energetischen Wechsel der Naturkräfte in harmonischen Einklang zu bringen.

Zwischen den beiden Sonnenwenden verzeichnete der traditionelle Bauernkalender des Nordens das Ende und den Anfang des Winters an den Festen von Beltane (Walpurgisnacht auf den 1. Mai) und Samhain (Halloween-Nacht auf den 1. November).

In den harmonisch gegliederten Landschaften vergangener Tage wurden diese Auf- und Untergangspunkte entweder durch natürliche Merkmale oder durch künstliche Markierungen wie aufrecht stehende Steine (Dolmen) angezeigt.

Im Gegensatz zu heute, da den meisten Menschen diese Ausrichtungen nicht mehr bewusst sind, bildeten die Himmelrichtungen, die Planetenbewegungen und der Lauf der Sonne früher einen integralen Bestandteil der traditionellen Lebensweisen. Nicht nur die Zeitangaben hängen direkt mit der Sonnenrichtung zusammen, sondern auch der Bau von Gebäuden, die Herstellung, Verzierung und Ausrichtung des Mobiliars, die Weissagung und das Spielen von Brettspielen wurden stets unter Berücksichtigung der Qualitäten der Himmelsrichtungen vorgenommen.

Unter dem Namen Suleviae - der indogermanische Wortgruppe sauel-, suel-, sul sowie suen-, sun- mit der Bedeutung "Sonne" entstammend - wurde diese bestimmte Naturenergie zusammengefasst, der an Quellheiligtümern, Dolmenanlagen und monolithischen Großsteinbauten von Gallien bis Ungarn und von Britannien bis Italien Verehrung entgegengebracht wurde.

Sommersonnenwende - Mittsommernacht

Nacht zum 21. Juni

Die Mittsommernacht ist die kürzeste Nacht des Jahres und der Tag, an dem die Sonne am längsten scheint.

Irland

loughcrew_megalithic_complex.pngDas Symbol für ein Gestirn ist seit frühesten Zeiten ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte. Sonne oder Mond werden häufig als Punkt mit umgebenden Strahlen oder konzentrischen Ringen dargestellt. Auf der Abbildung links ist eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen - der Mond verdeckt einen Teil der dahinter liegenden Sonne - drumherum ist die Sternenkonstellation eingeritzt, wie sie zu diesem Zeitpunkt am Himmel zu sehen war.

In der Innenkammer von Sess Kilgreen, Irland treffen die Strahlen der Sonne zur Sonnenwende exakt auf dieses in Stein geritzte Zeichen.

Es war M. Brennan, der einen Schlüssel zur Enträtselung megalithischer Kunst lieferte, indem er die Steinreihen (Alignments) der Megalithbauten mit der Sonnenwende, mit Tagundnachtgleiche, Sonnen- und Mondaufgang und dem Mondzyklus in Verbindung brachte. sess_kilgreen.jpgAuf der ganzen Welt gibt es Tausende solcher Megalithplätze, wo der Sonnenstand und andere astronomische Konstellationen berechnet wurden.

Eines der weltberühmten Beispiele ist der Hügel von Newgrange in Irland. (Mehr dazu unter Wintersonnenwende)

Sardinien

santa_christina_brunnen.pngIn Santa Christina, Sardinien, ist einer der schönsten nuraghischen Brunnentempel (siehe Abbildungen). Man kennt heute 50 solcher Anlagen.

Über eine Treppe steigt man hinunter in den Brunnenraum mit der Wasserquelle. Genau zur Sonnenwende scheint hier für kurze Zeit die Sonne über die dreieckige Treppenöffnung in den Brunnenraum.

santa_christina_treppe.png

santa_christina_eingang.png Sich mit dem Kosmos in Verbindung zu bringen, war in der Frühzeit auf der ganzen Welt üblich, wovon Tausende von kultisch verwendeten Höhlen und Megalithbauten ("künstliche Höhlen") Zeugnis ablegen.

England

stonehenge_winter_solstice.jpgÜber den größten Teil Südwestenglands erstrecken sich Plätze, die im Zusammenhang mit der Sonne stehen. In der Nähe von Bath finden wir z.B. einen einzelnen Hügel, der Solsbury oder Sulisbury genannt wird.

Die Anlage von Stonehenge, die zur Beobachtung des Sonnenlaufs verwendet wurde, mit der nicht nur Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden bestimmt werden konnten, sondern die es auch ermöglichte Sonnenfinsternisse vorherzuberechnen, liegt in einem Gebiet, das heute noch Salisbury Plain genannt wird.

Schottland

Maes Howe ist eine jungsteinzeitliche Megalithanlage (erbaut ca. 3000 v.u.Z) auf der Hauptinsel der Orkneys in Schottland. maeshowe_aussen.pngDie Anlage ist aus plattigen geschichteten Sandsteinen errichtet und hat fast ebene Wände. Ein ca. 11 m langer, relativ niedriger Gang führt in eine große Hauptkammer mit drei Seitennischen.

maeshowe_wintersonnenwende.pngDer Zugang ist präzise auf den Untergang der Sonne am Tag der Wintersonnenwende ausgerichtet, so dass die Strahlen nur um diese Zeit bis in die Kammer fallen.

maeshowe_schottland_innen.png Im Gangbereich finden sich Spuren einer Konstruktion, die es ermöglichte, die Kammer mit einem Stein zu verschließen, wobei der Lichtspalt jedoch frei blieb.

Der Hügel über der von einem weiten und breiten Grabenring umgebenen Anlage ist ca. 7 m hoch und hat einen Durchmesser von ca. 35 m.

Zu dieser Anlage gibt es dank moderner Kamera- und Internet-Technologie eine Besonderheit zu berichten: Der auf Orkney lebende Fotograf Charles Tait zeigt das faszinierende Beleuchtungsschaupiel innerhalb der Hügelkammer per Webcam auf seiner Website.

Der Beginn ist jährlich etwa ab dem 20. November bis Anfang Februar des Folgejahres. Drei Kameras werden installiert, wobei zwei täglich etwa von 14:00 Uhr GMT bis 16:00 Uhr GMZ die Innenräume zeigen, eine Außenkamera sendet Bilder zwischen 9:00 Uhr GMT und 16:00 Uhr GMT. Weitere Informationen, die besten Standfotos und einige Animationen sind das ganze Jahr über auf der Website von Charles Tait unter http://www.maeshowe.co.uk zu finden.


Wintersonnenwende

Nacht auf den 21. Dezember
Dies ist die längste Nacht des Jahres.

In Newgrange, Irland, gibt es einen neolithischen Erdhügel, in den ein langer Felsengang bis zu einer kreuzförmigen Endkammer führt.

new_grange_licht.jpg Solche Anlagen finden sich in den verschiedensten Weltgegenden. Sie sind nach dem gleichen Prinzip wie etwa die ägyptischen Pyramiden errichtet: Sie verfügen über eine Innere Kammer, die von einem großen Tumulus (Hügel) überwölbt wird und die nur durch einen langen Gang erreichbar ist.

new_grange_aufriss.pngMan könnte diese hügelförmigen Bauwerke "Strahlenfänger" oder "Energiebündler" nennen, denn sie bündeln Energie in ihrem Innersten. Sie werden verwirrenderweise häufig als "Grabanlagen" bezeichnet, was eine Bestattung in unserem Sinn nahelegt. Das ist nicht korrekt, denn es gibt keine Hinweise auf übliche Bestattungen dieser Zeit. Das würde auch gar nicht zum Symbolgehalt dieser Anlagen passen.

Allerdings ist die Bezeichnung spirituell gesehen nicht wirklich falsch, weil die Strahlenfängeranlagen für Initiationen und ähnliche Durch- und Übergangsrituale vewendet wurden. Der Adept betritt den Hügel, erfährt in der inneren Kammer - dem Uterus vergleichbar - eine Wandlung, und verlässt den "Bauch der Erde" durch den langen Gang, den symbolischen Geburtskanal. Dabei verbleibt sein "altes Ich" im Berghügel, bleibt dort begraben, während er "neu geboren" ans Licht tritt.


Genau derselbe Vorgang, eine Passage, findet in anderer optischer Form beim Gang in ein Labyrinth statt oder in die steinzeitlichen Kulthöhlen mit den Felsmalereien. Der Zusammenhang wird deutlich durch die unzähligen eingeritzten oder aufgemalten Spiralen oder Laybyrinthe an den Kultplätzen (vgl. Stein vor dem Portal in Newgrange, Bild links unten)

Alle diese Rituale beruhen auf der gleichen Weltvorstellung: eines Zyklus mit Übergangsphasen. Das ist am umfassendsten in den Eleusinischen Mysterien beschrieben.

Newgrange ist eine der größten und bedeutendsten dieser neolithischen Anlagen Irlands. Sie hat eine Höhe von 12 Metern und einen Gesamtdurchmesser von 85 Metern. Der Gang zur kreuzförmigen Grabkammer, ist 19 Meter lang. Um die Anlage zieht sich ein Kreis aus ursprünglich 38 Monolithen, von denen allerdings nur noch zwölf erhalten sind.

new_grange_entrance.gifnew_grange_gang.png Der Hügel ist nach Osten ausgerichtet und so angelegt, dass bei der Wintersonnenwende um den 21. Dezember die Sonne gleich nach ihrem Aufstieg über dem Horizont für 14 Minuten den Gang entlang scheint.

Dieser Fakt bestätigt die Übergangssymbolik, die diese Anlagen verkörpern, denn die Sonnenwenden sind, wie der Name Wende schon nahelegt, Übergangsphasen im Jahreskreis. Der Adept muss sich wenden - im wörtlichen und im übertragenen Sinn - um die Kammer wieder zu verlassen.

Der Strahl dringt durch einen viereckigen Schlitz über dem Eingangsportal bis zur Endkammer. Passiert der Adept während des Rituals diesen erleuchteten Gang, kann man wohl mit Recht von Erleuchtung sprechen.

Die Anlage in Newgrange wurde etwa 3000 v.u.Z. erbaut, also noch vor Stonehenge.

Sonnensymbolik

Sonnensymbolik

Während der Kreis statisch wirkt, verleihen ihm Radspeichen den Symbolwert des Drehens und der Dynamik, damit auch von Kreislauf, Werden und Vergehen, Freiheit von örtlicher Bindung.

Räder und auch Radkreuze sind vielfach Symbole der Sonne, die über den Himmel "rollt", wie etwa der Brauch zur Sonnenwende zeigt, brennende Räder über Hänge hinabzurollen.
Im weiteren Sinn wird das Rad dann zum Symbol des gesamten Kosmos und seinen zyklischen Abläufen, die wie ein "Perpetuum mobile" empfunden werden können.

Die einfachste Version des Sonnensymbols ist ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte; dies wird bis heute so in der Astrologie verwendet.

sonnenaugen1Das Sonnenmotiv ist zugleich ein Augensymbol: "das strahlende heilige Auge" (im Christentum "Auge Gottes" genannt) kommt besonders in Westeuropa häufig paarweise vor.

Auf dem Gefäß, das in Almeria gefunden wurde, sind unter den Augen-Sonnenrädern zusätzlich zweimal drei Halbmonde, so wie ein Vulvadreieck eingeritzt. Sonne, Mond und die Zahl drei stehen hier konkret in Verbindung mit der menschlichen Figur - eine symbolische Abbildung des Universums. Solche symbolträchtigen Statuetten aus vor-patriarchaler Zeit wurden zu Zehntausenden ausgegraben.

Für die Austauschbarkeit von Auge und Sonne finden sich auch etymologische Hinweise. Im Altirischen steht suil für Auge, das auf die gleiche Wurzel zurück geht wie das Wort für "Sonne, Himmel" im Sanskrit, Altiranischen und anderen Sprachen.

aber auch Räder und auch Radkreuze sind Symbole der Sonne, die über den Himmel "rollt", wie etwa der Brauch zur Sonnenwende zeigt, brennende Räder über Hänge hinabzurollen. Im weiteren Sinn wird das Rad dann zum Symbol des gesamten Kosmos und seiner zyklischen Entwicklung,

Sonnentanz

Sonnentänze

Die indianischen Sonnentänze sind die bekanntesten und finden im Mittsommer statt. Aber da es Tausende von Sonnen-Kultplätzen gab, wie uns die alten Steine der Megalithkultur beweisen, muss es überall Sonnentänze gegeben haben.

Tanz war schon immer ein wichtiges kultisches Element in matriarchalen Gesellschaften. Deshalb haben sich Tänze wie der zu Ehren der lebensspendenden Sonne lange erhalten.
Sonnentänze sind durch Predigten bezeugt, in denen die Pfarrer gegen den heidnischen Kult wetterten.

Sundance, Lakota-Indianer Die Kultur der IndianerInnen aus präkolumbianischer Zeit ist leider nicht unverfälscht geblieben. Viele Rituale konnten unter dem Druck der Kolonialisten nicht, oder nicht unverfälscht, an die nächsten Generationen weiter gegeben werden, vieles wurde von den weißen Eroberern per Gesetz verboten.

Der Sonnentanz ist trotzdem das feierlichste und wichtigste Ritual der Plains- und Prärie-Indianer geblieben.

Es ist unwahrscheinlich, dass das Okipa-Ritual der Mandan mit dem weit verbreiteten berühmten Sonnentanz in seiner Originalform zusammenhängt. Von Bodmer und Catlin in den 1830ern gemalt, werden hier szenisch die Errettung der Menschen vor der Sintflut und Bison-Vermehrungsriten zur Sicherung der Lebensgrundlage mit Selbstkasteiung innerhalb einer Kultfeier dargestellt.

Wie jeder kultische Tanz der seinen Ursprung in den frühen Gesellschaften hat, dient auch der indianische Sonnentanz einem spirituellen Zweck. Es ist ein Trance-Tanz, der zur spirituellen oder psychischen Heilung einer Person dient und damit der ganzen Gemeinschaft zugute kommt. Ähnliche Tanzformen sind u.a. von den Sufis und afrikanischen Stämmen bekannt. Ritual war ursprünglich immer auch Tanz. Es geht darum, über sich selbst hinauszuwachsen und der Welt der AhnInnen - dem Großen Geist - näher zu kommen.

Geht mit solchen Riten Selbstkasteiung einher, dann können wir mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass patriarchale Einflüsse mit im Spiel sind. Wir finden solche Zeremonien bei den Kwakiutl-Indianern an der Nordwestküste Amerikas, aus der klassischen Maya-Zeit gibt es Figürchen mit den charakteristischen beim Sonnentanz üblichen Aufhängevorrichtungen - den unter der Haut hindurch gezogenen Pflöcken.

Felsbilddarstellungen in Skandinavien, Karelien und in Indien, zeigen Hakenschwingen - Praktiken, die fast immer mit dem Weltenbaum und der Weltachse als kosmisches Symbol verknüpft sind.

sundance ponca indianer Wie das Kreuz Christi wurde auch die Weltesche Yggdrasil, an der sich Odin aufhängte und nach neun Nächten starb, als die Axis Mundi bezeichnet. Derlei Selbstkasteiungspraktiken haben die Züge eines Rituals, dessen Durchführung den nahen Untergang der Welt (z.B. Ragnarök ) verhindern oder aufschieben soll. Eine Weltuntergangsvorstellung gibt es aber nur im Patriarchat.

Matriarchale Gemeinschaften kennen ein Ende des Lebens nicht, geschweige denn ein Ende der Welt. Für sie läuft alles zyklisch ab. Geburt, Wachsen, Tod, Wiedergeburt sind ebenso feste Elemente des Daseins und des kultischen Lebens, wie der Wechsel der Jahreszeiten.

Alles wiederholt sich zyklisch. Da gibt es kein abruptes Ende.

Symbole dafür sind der Kreis, das Lebensrad, das indianische Medizinrad und auch der christliche Rosenkranz.
Das Ende der Welt befürchten nur diejenigen, die Gewalt-Erfahrungen gemacht haben: extreme Hungersnöte (ca. 5000 v.u.Z., vgl. Saharasia ), Folter - körperlich oder seelisch, Begegnungen mit weißen Eroberern wie den Kolonialherren der Amerikas, die ganze Stämme der Ureinwohner abschlachteten und ausrotteten, und sich bis heute menschenverachtend verhalten.

Die Selbstkasteiung mancher Indianer beim Sonnentanz - es sind ohnehin die wenigsten, die das tun im Vergleich zu den Sonnentanzritualen ohne Piercing - legt den Gedanken nahe, dass diese Menschen in ihrer Sehnsucht und Suche nach dem Verlorenen, einen extremen Weg in einer für sie extremen Situation wählen.

+++

Quellen:
Martin Brennan: The Stars and the Stones: Ancient Art and Astronomy in Ireland
Barbara Hutzl-Ronge: Feuergöttinnen, Sonnenheilige, Lichtfrauen.
Knaurs Lexikon der Symbole
http://www.fak12.uni-muenchen.de/vka/Archiv/Lehre_0405.html


 

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