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Einführung in die Unabhängigkeit - Stationen eines Frauenlebens in Juchitàn, Mexiko | Drucken |  E-Mail

Stationen eines Frauenlebens in Juchitàn, Mexiko

Die Zeit zwischen Pubertät und Jugend ist ein wichtiger Lebensabschnitt, um die Grundlagen für ein unabhängiges Leben zu legen. Berufsausbildung sowie Geschäftstüchtigkeit sind Angelegenheiten, die sich außerhalb des Hauses entwickeln. Also geht das junge Mädchen im allgemeinen zu einer Verwandten oder Bekannten der Familie, die ihm ihre Berufserfahrung vermittelt, es einkleidet und die ihm für die Mithilfe auch etwas Geld zusteckt.

Na Amelia ging mit 14 Jahren zu einer Tante, um dieser zu helfen und gleichzeitig das Müllerhandwerk zu erlernen. Von Montag bis Samstag arbeitete sie bei der Tante, am Sonntag erhielt sie ihren Lohn, den sie der Mutter abliefern musste.

Mit dem verdienten Geld können junge Frauen in Juchitàn ihre Kleidung und weitere Ausbildung bezahlen; doch nach und nach kaufen sie auch ihren Schmuck und Gebrauchsgüter, mit denen sie in die Ehe gehen und ihren Beruf ausüben werden. Dieses Eigentum stellt zwar in gewisser Weise eine Aussteuer dar: die Wäschetruhe oder der Kleiderschrank, die Schmuckstücke, die Nähmaschine - aber mehr noch ist es ein Zeichen ihrer Arbeit und der Fähigkeit, sich vernünftig und zukunftsorientiert zu verhalten. Das allmähliche Zusammentragen dieser Dinge ist auch ein Mechanismus, der ihnen Selbstvertrauen vermittelt, da sie über eigene Produktionsmittel verfügen, die ihnen - verheiratet oder ledig - das Überleben ermöglichen und eine bestimmte Sicherheit für die Zukunft verleihen.

maedchen_juchitanNicht nur Fähig- und Fertigkeiten für einen Beruf oder den Handel sind wichtig; die Frau muss auch über Mittel verfügen, um ihn betreiben zu können: Mit ihren geringen Ersparnissen aus ihrer Zeit als Lehrmädchen einer bekannten "Garnachera" (einer Händlerin, die ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von garnachas verdiente) entschloss sich Rosa im Alter von 15 Jahren einen eigenen Verkaufsstand zu betreiben. Dafür kaufte sie einen Tisch und zwei Bänke, zwei Pfannen und einige Teller. Ihre Mutter half ihr abends beim Verkauf und tagsüber bei der Zubereitung der kleinen Tortillas, des Kohls, des Hack- und gekochten Hühnerfleisches sowie der besonderen Sauce, deren Rezept Rosa von ihrer vorherigen Arbeitgeberin mitbekommen hatte. So kaufte sie ihre ersten Goldmünzen. Die Mutter drang darauf; auch die Mitgliedschaft bei der "Sociedad de la Vela Calvario" war ihr Verdienst. 3o Jahre später konnte Na Rosa dann stolz das Amt der "mayordoma" dieses Festes übernehmen.

Der 15. Geburtstag

Zum 15. Geburtstag wird ein großes Fest zu Ehren der jungen Mädchen organisiert. Die Taufpatin trägt neben den Eltern die größte Last der Ausgaben. Außerdem bekommen die Mädchen zu diesem Anlass wieder Schmuck (Ohrringe, Armband, Kette) geschenkt. All diese Dinge haben für eine junge Frau eine große Bedeutung:
Sie sind

  • Teil der Aussteuer;
  • ein Zeichen der Zuneigung und Liebe, der Sorge und des Vertrauens, der Bestätigung und Anerkennung;
  • ein Zeichen sozialen Prestiges, denn das Fest beweist, dass sich die Mutter und der Vater (falls er existiert) um ihr Wohlergehen und ihre Sicherheit bemühen;
  • ein Zeichen dafür, dass der jungen Frau ein Teil der Verantwortung für ihren eigenen Lebensunterhalt und den Familienhaushalt übergeben wird.

Ein Beispiel:

Vor zwölf Uhr mittags kam der Zug mit der traditionellen Musikkapelle vorbei. Ganz voran ging das junge Mädchen in einem duftigen, langen Kleid mit weiten Ärmeln. Sie war kunstvoll mit glänzenden Bändern frisiert. Neben ihr ging ihr "Kavalier", der jünger als sie war, in weißem Hemd und schwarzer Hose. Hinter ihr die Patentante am Arm ihres Mannes. Es folgten die Mutter des Geburtstagskindes, eine Hühnerhändlerin, und ihr Vater, ein Ingenieur. Dann kamen alle Verwandten und Freunde.

Das Fest dauerte zwei Tage. Am ersten Tag spielten zwei Orchester abwechselnd, und die Jungen und Alten, hauptsächlich Frauen, tanzten zur Musik unter dem großen Zeltdach, das im Gemeinschaftshof errichtet worden war. Um vier Uhr nachmittags begann die Vorstellungszeremonie. Ein bekannter Lehrer war der Pate dieses Teils und hielt eine schöne Rede. Auch das Mädchen hielt eine Ansprache und bedankte sich bei allen für das schöne Fest. Dann tanzte es den Tage zuvor eingeübten Walzer mit ihrem Kavalier, dann mit ihrer Mutter, ihrem Vater, den Patinnen und Paten, während der Ansager sie alle namentlich vorstellte.

Am nächsten Tag fand der Kehraus ("lavada de olla") statt. Wieder kam der Festzug mit dem Geburtstagskind an der Spitze durch die Straße. Diesmal trug es eine wunderschöne handgestickte Regionaltracht und ihren Goldschmuck. Mit Musik wurde die Patin abgeholt und das Fest dann mit einem Tanzorchester, viel Bier und Essen fortgesetzt.

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Quelle:


 

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