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Was sind Symbole? | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von Hannelore Vonier   
In der Mythenforschung gibt es heute zwei charakteristische patriarchal geprägte Schulen. Die Vertreter der einen sind u.a. 'Manipulatoren des Unbewussten' wie C.G. Jung, S. Freud (Psychoanalyse) oder M. Eliade (Religions-Philosophie). Die zweite sieht im Mythos nur ein primitives Werkzeug unserer VorfahrInnen, sich die materielle Welt zu erklären.

Das Symbol der Alten ist weder das eine noch das andere.
Es war ein sorgfältig gewähltes Bild, um Ideen oder Vorstellungen in ihrer Ganzheit zu wecken.
Es war ein Mittel, um den Intellekt zu umgehen und unmittelbar zur Intelligenz des Herzens zu sprechen, zum Erkennen ("beherzigen").
Das Herz fügt zusammen, der Verstand zergliedert.

Wahre Symbolik ist weder primitiv noch unbewusst, sondern ein bewusstes Mittel, Verstehen zu bewirken, im Gegensatz zur Informationsübermittlung.

Wörter übertragen Informationen (außer in der Dichtkunst), Symbole führen zum Verstehen. Information ist nutzlos, sofern sie nicht zu Verständnis führt.

Die alte Symbolik (z.B. der Höhlenmalereien, der Alten Ägypter) ist das genaue Gegenteil von dem, was ihr nachgesagt wird: Sie ist unmittelbar und exakt. Gewunden und irreführend ist hingegen die gewöhnliche Sprache, insbesondere die wissenschaftliche.

Was ist der Unterschied zwischen alter und zeitgenössischer Symbolik?

Moderne Symbole sind in der Regel beliebig. Die amerikanische Flagge besteht aus Sternen und Streifen, die die dreizehn ursprünglichen Kolonien und die Staaten darstellen. Aber warum Streifen für Kolonien und Sterne für Staaten? Warum sind einige Streifen rot, andere weiß und das Feld für die Sterne blau? Eindeutig aus keinem sachlichen, funktionalem Grund. Völlig beliebig. In Kriegszeiten mag sie den Patrioten als Bezugspunkt dienen, aber wer sich mit ihr in ihrer Eigenschaft als Symbol befasst, erfahrt nichts, was er/sie nicht schon weiß.

Aber wir haben auch viele Symbole, die uns aus der Vergangenheit überliefert wurden, wenngleich deren  Bedeutung oft verändert wurde, wie etwa das Kreuz. Den Geist in uns wieder aufleben zu lassen, für den diese Symbole  ursprünglich beabsichtigt waren, macht einen radikalen Umdenkungsprozess nötig.

Die alte matriarchale Symbolik war etwas Heiliges, sie gehörte zur heiligen Wissenschaft der Mythen. Sie war ein Mittel, die in den Mythen verborgenen Wahrheiten zu erhellen, häufig auch das einzige Mittel, um gleichzeitig das Wesentliche und das Besondere einer bestimmten Situation mitzuteilen.

Die ägyptische Symbolik, dargestellt in den Heiligen Zeichen ("Hieroglyphen"), ist sehr deutlich: Das Bild ist konkret (Vogel, Schlange, Hund etc.).  Es ist eine Synthese, eine Verbindung von Eigenschaften, Funktionen und Prinzipien. Eine sorgfältige Untersuchung der Symbole fördert gewöhnlich den Grund zutage, warum gerade dieses Symbol und kein anderes gewählt wurde. Der Vogel steht für das Flüchtige oder den "Geist". Der Storch, der Zugvogel schlechthin, wurde als Symbol für die "Seele" gewählt.
Der Hund steht für die Verdauung. Doch in Anbetracht der Vorliebe des Hundes für Aas betont das Symbol einen bestimmten Aspekt der Verdauung, die Umwandlung toter Materie in lebende. Der Hund sublimiert die tote Materie für seinen eigenen Lebenszweck. So führt Anubis, der "Öffner des Weges", die Verstorbenen und nimmt Teil am Ritual des Herzwiegens, weil ja der Tod nicht das Ende, sondern eine Verwandlung ist.

Ist erst einmal das Prinzip verstanden, so ist es unmöglich, in den merkwürdigen tierköpfigen "Göttern" Überbleibsel totemistischer Zeiten zu sehen oder überhaupt einen Gott oder eine Göttin in unserem Wortsinn. (Daher ist auch die allgemeine, von WissenschaftlerInnen verwendete, Gottesbezeichnung auf Träger ganz spezifischer Symbole falsch und irreführend.)

Der Intellekt kann nicht exakt erfassen, inwieweit eine funktionale Analogie gilt. In der Symbolik vor-patriarchaler Völker waren diese Analogien enthalten, und für die in dieses Wissen Eingeweihten  waren die alten Symbole ähnlich präzise wie für uns ein Verkehrsschild.



 

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