Die
Form des Herzens geht auf die Frucht des Feigenbaums (Ficus carica,
Maulbeergewächs) zurück. Unser Apfel war im
Orient nicht bekannt, deshalb wird in der jüdischen
Haggadah
betont, dass die verbotene Frucht im Garten Eden kein Apfel, sondern eine Feige
war. Der Feigenbaum wurde im ganzen Komplex der
ägyptischen und mesopotamischen Kultur und des Industals während des 3.
Jahrtausends v.u.Z. als Wohnort der Urahnin verehrt.
Redewendungen, die zeigen, dass das Herz "Sitz des Gefühls"
ist:
Herz, was begehrts/willst du mehr?
(Zufriedenheit)
jemandem blutet das Herz (Leid, Trauer)
jmdm. geht das Herz auf (erhebendes Gefühl; Gemüt, Seele öffnet sich, um
alles in sich aufzunehmen)
jmds. Herz gehört einer Sache (Hingabe)
jmds. Herz hängt an ... (gern haben, Zuneigung)
jmdm. fliegen alle/die Herzen zu (beliebt sein)
jmdm. dreht sich das Herz im Leibe (her)um (Kummer, Mitgefühl)
jmd. lacht/hüpft das Herz im Leibe (Freude)
jmdm. rutscht/sinkt das Herz in die Hose (Angst, Mutlosigkeit)
jmds. Herz schlägt höher (freudige Erregung)
jmdm. schlägt das Herz bis zum Hals (starke Aufgeregtheit)
jmdm. bleibt das Herz stehen (sehr erschrecken)
jmdm. ist/wird das Herz schwer (ist/wird sehr traurig)
ein Herz und eine Seele sein (eng befreundet - "Herz und Seele" steht
hier verstärkend für die Gesamtheit der Empfindungen und geistigen Kräfte.)
alles, was das Herz begehrt (wünschen)
sein Herz ausschütten (sich anvertrauen)
wes des Herz voll ist, des geht der Mund über (begeistert sein und
darüber sprechen müssen)
das Herz brechen (sehr verletzt sein)
die Herzen [der Frauen] brechen (Vertrauen missbrauchen)
sein Herz für jmdn./etwas entdecken (Interesse zeigen, sich begeistern)
jmds. Herz/alle Herzen im Sturm erobern (Sympathien gewinnen)
sich ein Herz fassen/nehmen - sein Herz in die Hand/in beide Hände nehmen
(ganzen Mut zusammennehmen, Entschlusskraft)
nicht das Herz haben, etwas zu tun (nicht über sich bringen)
nicht über's Herz bringen (Skrupel, Vorbehalte haben)
ein Herz aus Stein haben - hartherzig sein (ohne Mitgefühl)
ein weiches Herz haben (mitfühlend sein)
das Herz auf dem rechten Fleck haben (integer sein)
das Herz auf der Zunge haben/tragen (seine Gefühle offen aussprechen)
ein Herz für jmdn./etwas haben (mitfühlend/hilfsbereit sein)
jmdm. sein Herz schenken (tiefe Zuneigung)
jmdm. das Herz schwer machen - jmdm. das Herz zerreißen (jmdn. tief
bekümmern)
sein Herz verlieren (sich verlieben)
seinem Herzen Luft machen (Ärger aussprechen)
seinem Herzen einen Stoß geben (inneren Widerstand überwinden)
jmdm. ans Herz gehen/rühren (nahe gehen)
etwas auf dem Herzen haben (ein Anliegen/eine Bitte/einen Wunsch haben)
aus tiefstem Herzen (aufrichtig)
ins Herz schließen (lieb gewinnen)
ins Herz treffen (kränken)
mit halbem Herzen (ohne rechte Anteilnahme)
leicht/schwer ums Herz sein (Gefühl der Erleichterung/ der Bedrückung)
etwas zu Herzen nehmen (schwer, ernst nehmen)
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Dem "Ananda Tantra" zufolge ist die Feige die
normale Form der Yoni, das Symbol für die allumfassende Liebe (Karuna). Das ist auch der Grund für die allgemeine Verwendung des
Feigenbaums als Symbol für die Erleuchtung eines Mannes, die ja aus seiner
Verbindung mit dem weiblichen Prinzip zustande kommt. Buddha erlangte
"vollkommene Erleuchtung", als er unter einem Feigenbaum saß. Sein boddhi-Baum
wurde als ficus religiosa oder "heilige Feige" identifiziert. Die
babylonische Ischtar wurde als kosmischer Feigenbaum Xikum bezeichnet. Im
alten Rom gab es alljährlich ein wildes Fest, das mit der Juno Caprotina, der
Göttin des Feigenbaums, in Zusammenhang stand und bei den Saturnalien trugen die
PriesterInnen Ketten und Kränze aus getrockneten Feigen. (Walker, Symbole)
Das Wort Fica (ital., Feige) bezeichnet eine
Gebärde, wobei man den Daumen zwischen Mittel- und Zeigefinger als Zeichen des Koitus hindurch steckt. Diese Geste, die mano in fica, "Feigenhand", ist
die symbolische Darstellung der Vereinigung beider Geschlechter und ist
orientalischen Ursprungs; Zeige- Mittelfinger und Daumen bilden eine Lingam-Yoni.
Der Name erklärt sich daraus, dass sowohl im Altgriechischen wie auch
im Italienischen das Wort Fica nicht nur die Feige bezeichnet, sondern
auch die Vulva. Die Hindus nannten die Feigenhand eine heilige mudra.
Nach Ovid setzten römische Hausbesitzer sie als Schutz vor bösen
Zaubern ein. Nur die christlichen Kirchenmänner konnten nicht anders,
als sie manu obscenus, "die obszöne Hand", zu nennen. Die kosmische
Yoni-Lingam-Verbindung wurde und wird in verschiedenster Form
dargestellt, siehe Honigeis weiter unten.
Die Nachbildung dieser Geste wurde auch häufig
als Amulett getragen.
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Feige aus bemaltem Porzellan. Pfeifenkopf (Sammlung Garbaty,
Berlin).
Römischer Quarz-Anhänger in
mano-fica-Form, ca. 2. Jh. v.u.Z., Ø 10 mm.
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Die Verbindung von Feige und Herz offenbart sich
in dem Brauch aus Tirol, wo der Bursche dem Mädchen als Angebinde und Anfrage
zugleich eine Fica aus Silber oder Bein schenkt. Schickt ihm das Mädchen die
Fica wieder zurück, so sind seine Bewerbungen abgewiesen, schickt es aber als
Gegengabe ein silbernes Herz, dann ist er wohl aufgenommen. Es trägt dann der
Bursche das Herz an der Uhrkette, das Mädchen die Feige am Brustgeschnür.
Gallische Götter, die so genannten Dusii, wurden
im Mittellateinischen als ficarii, "Feigen-Esser", beschrieben. Dem
entsprechen die "Lotos-Esser" Homers, denn sowohl Feige wie Lotos symbolisieren
die weiblichen Genitalien. Eine biblische Allegorie finden wir im zweiten
Kapitel des Hohen Liedes, wo es heißt: "Sieh nur, der Winter ist dahin; vorüber,
fort ist der Regen. Die Blumen erscheinen im Lande, die Zeit des Singens ist da,
und das Gurren der Turteltaube hebt an. Am Feigenbaum röten sich die Früchte."
Frühlingsstimmung! Feigen und Weintrauben werden in der Antike oft als Attribute
des Rausch Gottes Dionysos-Bacchus genannt, ebenso mit dem phallischen Gott
Priapos, was auch hier die erotische Assoziation nahe legt.
In der Kabylei ist die Feigensaison von solch
grundlegender Bedeutung, dass die Jahreszeit nach ihr benannt wird. Der
Feigenbaum ist ein Symbol der kabylischen Heirat. Die Feigen stellen Kinder dar,
die nach der Ernte von Ehepaaren geboren werden. So ist in der Kabylei die
Feigenzeit im Herbst auch die Zeit der Sexualität, der Hochzeiten und der
Feldarbeiten. (Makilam)
Das sexualfeindliche Patriarchat war über die
Symbolik nicht glücklich: Es brachte die mittelalterliche Worterklärung "peccare"
(sündigen) mit dem hebräischen Wort pag (Feige) in Zusammenhang. Nach
islamischer Tradition sind die beiden tabuisierten Bäume des Paradiesgartens der
Ölbaum und der Feigenbaum. In der christlichen Symbolik ist oft der
"vertrocknete Feigenbaum" dargestellt, er symbolisiert die Jesus Christus nicht
anerkennende Synagoge (das Judentum) oder die Irrlehre.
Wie die Unterdrückung der Sexualität seitens der Kirche
bewerkstelligt wurde, erkennen wir an der sich verändernden
Wortbedeutung von dem Ursprung der Sinnlichkeit schlechthin: Feige im
Sinn von Vulva, bis zum Feigling, dem ängstlichen, vor der Gefahr
zurückschreckenden Mann.
Bei Dasypodius (14 Jh.) ist feig "lüstern" (lat. peculans), bei Luther bereits "timidus", lat. für "verzagt".
Das Grimmsche Wörterbuch listet für "feig" folgende Bedeutungen auf:
1. frech, geil, unverschämt
se hin, du alts, pöses weib,
verfluocht sei dein faiger leib!
... auf der gassen und in der kirchen ainfeltig und schlecht, im haus faig, motwillig und gescherzig.
also thon die feigen weiber auch, wann sie schon junge geschickte mann haben, noch dennocht haben sie kein benügen mit inen, sunder sie nemen darneben zwen oder drei darzo.
bist du ain weib, so gesell dich zu andren erbern und hailigen und nicht zu den faigen und unkeuschen weibern.
wenn ein pferd so feig wirt, das es den, der uf im sitzet, abwirft, so hat es zu vil futters
Unter dem Druck solcher Moralvorschriften kam eine weitere Bedeutung hinzu:
2. furchtsam, zage
und weil ein dem Tode Naher sich fürchtet, Todesangst fühlt:
3. feige, dem tod verfallen, mhd.
Nnl: "in sinen fegen dagen" [in seinen feigen Tagen], kurz vor seinem Ende.
dazu kam:
4. unselig, verwünscht
Und ab nun steht in der Bibel geschrieben, was gefordert ist: die Verwandlung vom "feigen Herzen" in das "reine, keusche, furchtlose Herz":
und denen, die von euch uberbleiben, wil ich ein feig herz machen in irer feinde land, das sie sol ein rauschend blat jagen. 3 Mos. 26, 36;
welcher sich fürchtet und ein verzagts herz hat, der gehe hin und bleibe daheime, auf das er nicht auch seiner brüder herz feige mache, wie sein herz ist. 5 Mos. 20, 8;
Wir müssen uns klar machen, dass
- nur Kirchenmänner schreiben und lesen konnten, und damit den Ton angaben
- Kirche und Staat immer zusammen wirken. Die Landesfürsten und Lehnsherren wollten keine lüsternen und lebenslustigen Untertanen, die "arbeitsfaul" waren. (Stichwort: Den Zehnten abgeben)
Ein weiterer mittelalterlicher Ausdruck war "Feigenmänner", die schon oben erwähnten ficarii, das sind diejenigen "welche keine arbeit frei antreten, vielweniger austauren." (Grimm). Und nicht nur auf die Arbeitskraft kam es den Herrschenden an, sondern auch auf Kanonenfutter, das ohne zu murren "gottesfürchtig" und natürlich mit dem Segen der Kirche in den Krieg zieht. Bibelstellen dazu, wie oben zitiert, finden sich genug, aber deutlich wird das Ganze im Grimmschen Wörterbuch unter dem Begriff "Feigheit":
1) FEIGHEIT: in älteren schriften, petulantia, luxuria [Lüsternheit, Überfluss]: log das din vasten si meszig, das es dir si ein arzenei, das es in dir die feikeit des fleisches demme und zeme ... [Übersetzung, in etwa: schau, dass dein Fasten mäßig sei, dass es dir eine Arznei sei, dass sie in dir die Lüsternheit eindämme und zähme.] ... ein mensch, das do jung, stark, frisch und gesunt ist und kein irrung het, sinen lust und fegikeit (so) gnog zo sein. ... da sint die fuesz schnell zu bosheit und uppigkeit, und die hend vol böser werk, der lib vol feikeit. ... denn weiche, zarte und hübsche kleider ingeberend [eingeben] üppikeit des gemütes und feigkeit des fleisches vorab in jungen unerstorbenen menschen.
2) die bedeutung ignavia [lat. für Trägheit, Faulheit] könnte sich bei LUTHER finden, sie wird später die einzige: ein krieger, der im treffen feigheit bewiesen hat, wird verhöhnt.
Da wurden in einem Rutsch aus "unerstorbenen", nämlich lebendigen, sinnlichen Menschen, Faulenzer!
Im Duden werden Feiglinge heute als "vor der Gefahr Zurückschreckende" bezeichnet. Es ist ein Schimpfwort, und zwar für Männer, die sich lieber lustvoll Frauen zuwenden, anstatt sich von den Herrschenden für deren Zwecke ausbeuten zu lassen: Kriegsdienstverweigerer, Kirchen- und Systemkritiker, Aussteiger aller Art und Nonkonformisten.
Faulheit ist eine patriarchale Erfindung, die notwendigerweise mit der Erfindung von Arbeit einhergeht, ebenso raffiniert ausgedacht, wie ein reines, unkeusches Herz in seiner unnatürlich-asexuellen Gestalt.
Die sexuell geprägte Symbolik der Feige blieb uns
zwar bis heute erhalten (z.B. auch in dem Wort ficken), wurde jedoch zunehmend negativ konnotiert. "Mit der
Feig´n hausieren" ist in Wien ein volkstümlicher Ausdruck für Prostitution, ein
Schürzenjäger ist "a Feigen-Tandler".
Aber während die Feige (Frucht) selbst abgewertet
wurde, erlangte sie neue Berühmtheit in zweifacher Form:
1. Das Blatt der Feige, das die Form einer
fünffingrigen Hand bildet, bedeckt verschämt genau die Blöße, die von den alten
Völkern gefeiert wurde. Seit Adam und und Eva wird Nacktheit unter
Feigenblättern versteckt. Das legt auch nahe, dass die Haggadah recht hat, und
dass am "Baum der Erkenntnis" (Erleuchtung!) nicht Äpfel, sondern Feigen hingen,
der Metapher für weibliche Sinnlichkeit. In der Sixtinischen Kapelle malte
Michelangelo einen Feigenbaum direkt neben den Apfelbaum...
2. Die Form der Feige, die Vulva, wurde in einem Piktogramm versteckt, einem schlichten Umriss, dem Herz, wie wir es in vielerlei Ausprägungen heute kennen.
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Die Bezeichnung "Frucht" für die Feige ist biologisch nicht richtig. Die Feige ist eigentlich der Blütenstand und das, was wir als Fruchtfleisch gern essen, ist Gewebe, das die winzigen Blüten einschließt. Die beim Essen spürbaren sandartigen Kernchen sind die eigentlichen Früchte.
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Bei der "Frucht" handelt es sich in Wirklichkeit um den flaschenförmigen Fruchtstand, der typischen "Feigen"frucht, mit sehr enger Öffnung. Dieser entsteht, indem die Blütenstandsachse krugförmig nach oben wächst und dabei die Blüten ins Innere verlagert. Dort liegen dann hunderte von kleinen schlauchförmigen Blüten, die über einen engen Kanal an der Spitze eine
Verbindung nach außen besitzen.
Warum ist die Feige als Symbol von solch
großer Bedeutung?
Dazu müssen wir Informationen über die
Befruchtung der Feigenblüten heranziehen:
Ungewöhnlich und einmalig ist der
Bestäubungsvorgang bei den Feigen. In jahrtausendelanger Kultur haben sich aus
der Wildfeige zwei Varietäten der Kulturfeige herausgebildet, die untereinander
und mit einer bestimmten Gallwespe (Blastophaga psenes) eine enge
Symbiose eingegangen sind.
Die Hausfeige, var. domestica,
bildet in den Blütenständen nur langgrifflige weibliche Blüten.
Die nicht essbare Bocksfeige, var. caprificus, bildet sowohl
kurzgrifflige weibliche, so genannte Gallblüten, als auch in der Nähe des
Ostiolums (schmale Öffnung der Feige), männliche Blüten.
Beide Varietäten bringen jedes Jahr
drei Generationen von Blütenständen hervor:
-
die 1. Generation im Februar/März
(reifen im Juni/Juli),
-
die 2. Generation im Mai/Juni
(reifen im August/September) und
-
die 3. Generation im
August/September (reifen von Dezember bis März).
In den Gallblüten der überwinternden
Fruchtstände der (nicht essbaren) Bocksfeige entwickeln sich die Larven der
Gallwespe und schlüpfen dort im März/April aus. Die Männchen begatten die
Weibchen in der Feige und sterben danach.
Nun fliegen die Weibchen aus und
dringen in die 1. Generation sowohl der der Bocks- (sog. Profichi,
Vorfeigen) als auch der Essfeigen ein, bestäuben diese aber nicht, da die
überwinternden Bocksfeigen, woher die Weibchen kommen, in der Regel keine
männlichen Blüten enthalten. Daher fällt die 1. Generation der Essfeigen meist
vor der Reife ab. Wichtig ist zu dieser Zeit Folgendes:
In den Bocksfeigen der gleichen
Generation stechen die Weibchen die Gallblüten an und legen ihre Eier ab.
Die 2. Generation der
Gallwespenweibchen verlässt nach der Begattung die Bocksfeigen so wie ihre
Mütter zuvor und ist nun mit Pollen der inzwischen vorhandenen männlichen Blüten
beladen, die sie auf den Narben der 2. Generation der Essfeigen (sog. Fichi,
Sommerfeigen) ablädt.
Eine Eiablage unterbleibt hier
allerdings, da die Griffel der ausschließlich weiblichen Essfeigen-Blüten länger
sind als die Legestachel der Wespen. Die Eier werden wiederum in den Bocksfeigen
abgelegt, wo dann die 3. Generation der Gallwespen heranwächst.
Diese bestäuben dann die 3. Generation
des Essfeigen (ebenfalls Fichi). Die Gallblüten der 3. Generation der
Bocksfeigen (sog. Mamme, Nachfeigen) werden wiederum von wenigen
überlebenden Wespen angestochen, die zusammen mit den Wespen überwintern, im
Frühjahr reifen und den Kreis schließen.
Alle 3 Generationen der Bocksfeige
sind holzig und ungenießbar, die 2. und 3. Generation der Essfeigen dagegen sind
saftig und süß. Vorfeigen und Nachfeigen dienen also ausschließlich des
Fortbestands der Gallwespen, die Vermehrung der Feigenbäume ist durch die
Sommerfeigen gewährleistet.
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Vier Heilige in Verehrung des Wappens einer Herz-Jesu-Bruderschaft. L.
Cranach, 1505
1899 weihte Papst Leo XIII. in der
Enzyklika Annum sanctum die ganze Welt dem Herzen Jesu. Damit war die Herz-Symbolik umfassend von der Kirche in Besitz genommen und wurde im Weiteren entsprechend geprägt: die Art von Liebe, die den Patriarchen nützlich war/ist.
Spielkarten von 1790
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Was wir an diesem Beispiel sehen ist
das Weltbild matriarchaler Völker: Ein ewiger sich erneuernder Kreislauf, wo das
Alte stirbt, um dem neuen Platz zu machen. Geburt, Leben, Tod, Wiedergeburt. In
Ägypten wurde das Holz der wilden Feige (Maulbeerbaum) für Mumiensärge verwendet
und getrocknete Feigen legte man als Schoß-Symbole für die Wiedergeburt der
Toten in deren Gräber.
Mit zunehmendem Einfluss des Patriarchats und
besonders der christlichen Kirche, wurde die sinnliche Liebe unterdrückt und
verdammt. Was mit dem kleinen Feigenblatt Adams und Evas begann, nahm enorme
Ausmaße an und setzte sich bis heute unbarmherzig fort. Liebe und Sexualität
wurden voneinander getrennt und das weibliche Prinzip in zwei Moralprinzipien
gespalten: die Heilige und die Hure. Die Huren "gehen mit der Feige hausieren",
weit entfernt von Liebe und Erleuchtung, und die Heiligen werden so lange
gehirngewaschen - "rein gewaschen von allen Sünden" - bis sie ihre eigene
Sinnlichkeit nicht mehr fühlen und ihren Platz in der romantischen
Liebesliteratur und im Mutterkult einnehmen.
Die krug- oder kelchförmige Feige finden wir noch
in den Tarotkarten als "Kelche", bis die Kirche auch den Umgang mit den
weissagenden Spielkarten verbietet. Ab hier leben die Tarot-Kelche in den
säkularisierten Kartenspielen als Herzen weiter. Die Farbe der Sexualität
durften sie behalten - es lässt sich nicht alles unterdrücken. In frühen
Darstellungen des Heiliges Grals oder Kelchs wurde das Weibliche als das Herz
der Welt personifiziert.
Angelsächsische Chronisten sprachen von einem
mystischen Paradies "wo die Venus im Grale lebt".
Die universale Metapher der Feige wurde auf eine Herzsymbolik reduziert, die
sich auf einen einzigen Seinsaspekt des Menschen bezieht: das Gefühl. Und
während das alte Sinnbild der Feige alle Wesen betraf, männliche und weibliche,
alte und junge, lebende und verstorbene, so sind für Herzensangelegenheiten und
deren funktionieren nun allein die Frauen zuständig. Karuna wurde ersetzt durch
entsexualisierte Liebe, versinnbildlicht als Herz, oder wie die oben
aufgelisteten Redewendungen zeigen: als Herzschmerz. Wenn aber doch einmal
erotische Liebe verlangt wird, dann muss "Liebe gemacht werden". Wobei wir
wieder bei der Feige wären, denn ohne die geht's nicht.
Honigeis mit Feigen
4 Personen
1/2 Liter Milch mit 1 Vanilleschote aufkochen lassen.
Vom Herd nehmen und vorsichtig 5 schaumig geschlagene Eigelbe unterrühren.
Die Creme bei niedriger Temperatur auf dem Herd oder im Wasserbad so lange
mit dem Handmixer aufschlagen, bis sie dick wird. Einen Esslöffel
Kastanienhonig (oder mehr nach Geschmack) unterrühren und vom Herd nehmen;
etwas abkühlen lassen. 75g (ca. 5 EL) Rosinen grob hacken, in 2 EL heißem
Rum einweichen. 0,1 l Sahne (ca. 6 EL) schlagen und mit den Rosinen unter
die Creme ziehen. In eine Form füllen und gefrieren.
4 frische Feigen waschen, aber nicht schälen, und so
aufschneiden, dass sie sich wie eine Blüte oder Vulva öffnen. Auf einen
feuerfesten Teller setzen, mit braunem Zucker (etwa 3 EL) bestreuen und im
heißen Ofen karamellisieren lassen. Noch warm um das Eis herum anrichten, als kosmische Yoni-Lingam-Verbindung, und servieren.
Diese hohe Form ist übrigens die typisch orientalische
Art, Eis zu servieren, die bis nach Indien reicht. Die indischen Formen, in
denen das Eis gefroren wird heißen "kulfi"; es gibt sie aus Aluminium
und mittlerweile auch aus Plastik
Und
woher kommt das Herz in der Tür?
Feigen sind für ihre verdauungsfördernde Wirkung wohlbekannt.
*
Rätsel:
Sie ist keine Heldin,
Gefahr macht sie säumen.
Sie liebt die Sonne
Und reift an Bäumen.
Quellen:
Knaurs Lexikon der Symbole
J. und W. Grimm, Deutsches Wörterbuch
Bilderlexikon der Erotik
Wörterbuch der Mythologie
Makilam, Die Magie kabylischer Frauen und die Einheit einer traditionellen Berbergesellschaft
Walker, Barbara, Das geheime Wissen der Frauen
Walker, Barbara, Die Geheimnisse des Tarot
Walker, Barbara, Die geheimen Symbole der Frauen
Rezept und Foto: Naudin/Godard,Zu Gast bei Scheherazade
Spielkarte:
www.spielkartenmuseum.de
Rätsel aus Angela Döhring, Hundert neue Rätsel
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