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Geburt als persönliche Ermächtigung - weiser Umgang mit dem Schmerz | Drucken |  E-Mail

baby_haendeWenn wir die Wirklichkeit unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass wir auf die Erde kommen, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen, dann kann die Geburt als ein Vertrag zwischen dieser Welt und dem Universum angesehen werden.

In Stammesgesellschaften führt das Verständnis von Schwangerschaft, Geburt und dem Zweck der zur Erde kommenden Seelen dazu, dass sie die Schwangerschaft und den Geburtsvorgang sehr ernst nehmen. Sie sorgen dafür, sich so auf die kommende Seele vorzubereiten, dass eine gesunde und mit Freuden begrüßte Ankunft gewährleistet ist.

Das Vertrauen in den Geburtsprozess und die Einstimmung auf das Kind sind Fähigkeiten, die die Geburt in eine Erfahrung persönlicher Ermächtigung verwandeln. Dieser Erfahrung indigener Völker sollten wir nicht vermeiden, sondern sie annehmen und daraus lernen.

Die Natur braucht ein Signal: Schmerzen als Hilfe

Viele Frauen denken, die Geburt wäre hauptsächlich eine Frage der Schmerzen und der Angst vor den Schmerzen. Aber Schmerzen bei der Geburt unterscheiden sich qualitativ von allen anderen körperlichen Schmerzen. Die Schmerzen der Geburt können weder eine Laune von Mutter Natur noch eine Strafe Gottes sein.
Jeder andere Schmerz signalisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist: "Tritt nicht mehr mit diesem Fuß auf, es ist ein Stück Glas drin." Die Schmerzen bei der Geburt zeigen normalerweise keine Störung an. Der Geburtsprozess ist völlig normal und garantiert von Natur aus die sichere Entbindung des Säuglings bei minimaler Verletzung der Mutter. Schmerz ist ein Teil dieses Prozesses, und nur in diesem Kontext lässt sich sein Zweck begreifen.

Dr. Christiane Northrup schreibt: "Durch die Beobachtung von Frauen während der Schwangerschaft begann ich zu begreifen, dass die Natur ein Signal brauchte, um Frauen anzuzeigen, wann es an der Zeit ist, alles stehen und liegen lassen, einen sicheren Ort für die Geburt zu suchen und Menschen um sich zu sammeln, die ihnen helfen."

Da Frauen in patriarchalen Gesellschaften frühzeitig lernen, dass alles, was mit dem weiblichen Körper zu tun hat möglichst verborgen sein und kontrolliert werden soll, musste die Natur ein Signal entwickeln, das von keiner mehr ignoriert werden konnte, ihr aber gleichzeitig ermöglichte, die Geburt aktiv zu unterstützen, wenn die Umstände es erforderten. Je stärker Frauen versuchen, die natürlichen Vorgänge zurückzudrängen und deren Rhythmus zu kontrollieren, desto stärker fordert die Natur ihr Recht.

Während die kulturelle Maxime, nach der sich nur lohnt, was unter Schmerzen gewonnen wird, oft zur Selbstmisshandlung führt, lässt sich dagegen aus den Geburtsschmerzen eine ganz neue Art des Lebens mit dem Schmerz lernen. Wenn die Frau das Signal verstanden, ihre Tätigkeiten unterbrochen, einen sicheren Ort für die Geburt gefunden und stützende Menschen um sich versammelt hat, ist der Punkt gekommen, an dem sie den Schmerz für etwas anderes nutzen muss, damit er nicht unerträglich wird.

Den Geburtsschmerz zulassen

Es hilft nichts, sich dagegen zu wehren, aber es hilft, sich nach innen zu wenden.

In Studien wurden Frauen befragt, die ohne Lärm oder viel Aktivität geboren hatten. Eine sagte: "Wissen Sie, ich habe mich nur auf den Muttermund konzentriert, darauf, dass er sich öffnet und den Kopf des Babys durchlässt." All diesen Geburten war gemeinsam, dass die Frauen bei dem Schmerz geblieben waren, anstatt sich von Ärzten oder anderen Personen ablenken zu lassen. Sie waren nach innen gegangen, an den Ort des Schmerzes, und hatten ihn zugelassen.

Wenn Frauen den Schmerz zulassen können, treten sie in Verbindung mit ihm und sind auch in der Lage ihn abzugeben!

"Da ist noch etwas, was sie taten. Kurz bevor der rötliche Ausfluss (´ina ´Ina) kam, wurde den Frauen ein "Gebärgetränk" gegeben. Dann übernahm der Kahuna (ho ´ohanau keiki) die Gebärschmerzen. Die schwangere Frau sollte keinen Schmerz fühlen, sondern einfach nur ihr Kind gebären. Sie sollte nur sich selbst auf die Geburt vorbereiten; die Presswehen und Strapazen der Geburt wurden von dem Kahuna übernommen. Dies ist ein schwieriges Unterfangen. Ich habe Kahunas und Hebammen gesehen, die es konnten, aber es sind wenige und sie sind weit verstreut."

- Samuel Manaiakalani Kamakau, hawaiianischer Kupuna

Stammesvölker verfügen über so viele wissenschaftliche und medizinische Kenntnisse, von denen wir nichts wissen wollen, weil sie nicht in unser wissenschaftliches Paradigma passen. Wenn Offenheit eine Grundlage von Wissenschaft ist, dann haben wir kläglich versagt.

"Die letzte schmerzfreie Geburt war die meiner älteren Schwester. Im Nachbarraum war ein fauler Verwandter. Ein gesunder, kräftiger Mann. Einfach faul. Während andere bei der Geburt halfen, lag er einfach im bett. Mein Onkel, der Kahuna pale keiki, betete zu Haumea, der Ahnin der Geburt. Dann lenkte er den Schmerz auf seinen faulen Schwager. Der arme Kerl begann zu stöhnen und zu jammern. Er stöhnte, bis meine Schwester zur Welt gekommen war. Meine Mutter empfand keinerlei Schmerz!

- Mary Kawena Pukui, Kultur-Expertin von Hawaii

Ich liebe diesen Humor! Ich habe schon öfters gehört, dass die alten Kuhunas (HeilerInnen) in Hawaii wussten, wie man Schmerz beim Gebären beseitigen kann. Sie konnten ihn entweder auf sich selbst lenken, oder, wie in diesem Fall jemand anderem geben.
Ich glaube, es ist wichtig für uns zu wissen, dass so etwas möglich ist und dass es getan wird!

Was wäre, wenn der Vater lernen könnte, die Schmerzen der Geburt zu übernehmen? Was für eine wundervolle Möglichkeit, voll daran teilzunehmen, neues Leben in die Welt zu bringen.

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Quellen:
Jean Liedloff, Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
Christiane Northrup, Frauenkörper, Frauenweisheit


 

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