Gesammelte Vorurteile zum Thema Matriarchat
Bei meinen Streifzügen durch das Internet stoße ich immer wieder auf Vorurteile zum Thema Matriarchat.
Hier ist eine Liste, ich hoffe, Ihr Vorurteil ist auch dabei Wink

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 Diese Gesellschaften haben so gut wie keinen Platz für Abweichler und den von vielen sehr geschätzten Spielraum des Individuums.

Das Gegenteil ist der Fall: Im Matriarchat wird die Vielfalt geschätzt und für das Überleben der Gemeinschaft als notwendig erachtet. Jede Form von "Andersein" wird eher verehrt als unterdrückt, von den behinderten Mitmenschen bis zu den genialen. Alle haben ihren individuellen Platz und ihre Aufgaben. Im Patriarchat läuft alles auf Gleichmacherei und soziale Anpassung hinaus; Abweichler müssen sich Nischen suchen, wo sie "Narrenfreiheit" haben und sich möglichst unauffällig verhalten. Hyperaktive Kinder bekommen Medikamente, Stimmenhörende landen in der Psychiatrie und Menschen, die "aussteigen" werden als Spinner, Penner, Loser bezeichnet ... Das "Andere" wird verachtet und bekämpft.

 Matriarchat ist eine Frauenangelegenheit, zumindest die von Feministinnen.

Genauso wenig oder viel wie Demokratie, Sozialismus oder Diktatur. Es ist eine bestimmte Form des sozialen, politischen und ökonomischen Zusammenlebens von Menschen, so wie sie bunt gemischt in diese Gesellschaftsform hineingeboren werden, Männlein und Weiblein.

 Im Matriarchat gibt es die Besuchsehe (der Mann besucht die Frau nur nachts), daher verbringen die Liebenden die Nächte und die schönen Seiten des Lebens miteinander, lernen sich aber nicht näher kennen und haben keinen "Alltag" zusammen.

Erstens gibt es die Tradition der Besuchsehe nur in manchen Gegenden, z.B. bei den Mosuo in Südchina, andere matriarchale Völker kennen diese Sitte gar nicht. Zweitens leben matriarchale Gemeinschaften in überschaubaren Clans und Sippenverbänden. Die Menschen kennen sich - wie bei uns in einem Dorf - von Kindesbeinen an. Bei Festen, manchen Arbeiten, z.B. der Ernte, oder Versammlungen und vielen anderen Gelegenheiten können Paare zusammen sein, miteinander reden, tanzen, singen. Es geht darum, dass Intimitäten unbeobachtet und in einem geschützten Raum stattfinden können - unbeschwert von ökonomischen oder sonstigen Alltagsproblemen, die Sache der Gemeinschaft sind und nicht auf den Schultern zweier Einzelner lasten.

 Das Matriarchat wurde von einem Mann 'erfunden', nämlich Bachofen.

Das Matriarchat wurde gar nicht erfunden, denn es ist eine gelebte Gesellschaftsform, aber der Begriff entstand im 19 Jh. Bachofen hat in seinem Werk das Wort Matriarchat allerdings nicht verwendet. Siehe dazu Frauenherrschaft.

 Das Patriarchat entstand durch den Übergang von nomadischer zu sesshafter Lebensweise. Dabei wurde die Arbeitsleistung des Mannes sehr intensiviert und die Frau wurde in die Mutterrolle hinein gedrängt. Kurz darauf kam es auch zu einer beispiellosen Bevölkerungsexplosion.

Wenn das so wäre, dann könnte es keine nomadisierenden patriarchalen Ethnien geben (wie etwa die asiatischen Kirgisen oder Kasaken). Im Gegenteil: Patriarchale Strukturen begannen mit dem Nomadentum (Hirtentum) - nicht zu verwechseln mit den typisch matriarchalen Wildbeutervölkern (Jäger und Sammlerinnen). Allerdings mischten sich patriarchale und matriarchale Wandervölker, die bis heute semi-matriarchal leben. Die bekanntesten sind die Rom ("Zigeuner"), deren übereinstimmendes Merkmal weder Rasse noch Nationalität noch Religion sind, sondern eben die Sozialstrukturen des alten Matriarchats - sie folgen "dem Alten Weg" - wie sie selber sagen. Die überwiegende Mehrzahl matriarchaler Volksgruppen heutzutage ist sesshaft oder halbsesshaft. Sesshaftigkeit oder Nomadentum kann also nicht die Ursache sein.

Siehe auch die Artikelserie: Entstehung des Patriarchats.