Eifersucht - ein patriarchales Symptom

Völker ohne Eifersucht

Ein Blick in andere Kulturen widerlegt ziemlich eindeutig die patriarchale Behauptung, dass Eifersucht, so wie sie ist, angeboren sei.

So schildert Bronislaw Malinowski, dass Eifersucht bei den Trobriandern in der Südsee eine kaum feststellbare Rolle spielt [1].

Fröhliche KinderSieht man bei diesem Volk etwas genauer hin, wird man ein paar typische Unterschiede zu unserer Moral und Wertordnung finden: Das Matriarchat ist dort noch erkennbar ausgeprägt. Privateigentum spielt eine untergeordnete Rolle. Kindersexualität [2]wird von den Erwachsenen akzeptiert, die Kinder entwickeln eine ganze Reihe phantasievoller Sexualspiele. Die Trobriander werden als ein glückliches, lebensfrohes und friedliches Volk bezeichnet. Sie kennen keine Gewalt, keinen Krieg und haben für Diebstahl in ihrer Sprache kein Wort.

Kinder erfahren von den Erwachsenen sehr viel Fürsorge, Zuwendung und keinerlei Trieb- und Leibfeindlichkeit. Zwischenzeitlich dürften die Missionare wohl mit diesem Glück aufgeräumt haben.

Die Murias in Indien bilden dazu eine interessante und aufschlussreiche Variante. Kinder ab drei Jahren und Jugendliche leben in einem Ghotul. Dies ist ein Kinderhaus, eine Kinderrepublik, wo sie nach eigenen Gesetzen in sexueller Freiheit leben. Erwachsene haben dort keinen Zutritt. Das Ghotul organisiert die Ernte, die Jagd, Hochzeiten und Begräbnisse.

Von der indischen Regierung wurden die Murias oft als das glücklichste Volk der Erde bezeichnet. Sie kennen bei Kindern und Jugendlichen keine Eifersucht und keine Kriminalität, kein Rowdytum und kein Rockergebaren, keine Prostitution und keine Homosexualität. Aber sobald die Kinder ins Erwachsenenalter kommen, müssen sie sich drastischen Normen und vitalen Einschränkungen beugen. Von da ab müssen sie in strenger Monogamie und Treue leben.
Dieser Einschnitt in Lebensweise und Moral zieht interessante soziale Auffälligkeiten nach sich: Bei den erwachsenen Murias treten Eifersucht, Mord und Totschlag auf, wenn auch noch sehr selten.

Für die Freiheit der Kinder und Jugendlichen haben die Murias eine Erklärung, die in liberalen Kreisen auch bei uns oft zu hören ist: Wenn sich junge Erwachsene vor der Ehe austoben, dann würde die Ehe besser sein, denn sie hätten ja nichts versäumt und könnten die Normen der Ehe somit besser ertragen. Damit mögen sie sogar ein bisschen recht haben, aber offensichtlich entsteht auch dann noch oft genug soviel „Stau”, dass es zu „emotionalen Dammbrüchen” kommt.

Eifersucht und Gewalt stehen in enger Beziehung zu Privatbesitz, Patriarchat und sexueller Unterdrückung.
Auch der bekannte Polarforscher Fridtjof Nansen trägt dazu einen Beleg bei. Er schreibt von den Inuit (Eskimos), bevor sie missioniert wurden, dass sie Gewalt nicht kannten und für Mord in ihrer Sprache kein Wort hatten. Kinder zu schlagen war bei ihnen eine schwere Verfehlung.

Als sie einmal zwei Matrosen erlebten, die sich prügelten, standen sie staunend daneben und konnten sich dies nur damit erklären, dass die beiden sich irrtümlich nicht für Menschen hielten. Es fällt auf, dass auch bei den Inuit erstaunlich freie Sexualnormen herrschten. [3]