| Herzform als Symbol der Feige |
| Geschrieben von Hannelore Vonier | ||||
Die
Form des Herzens geht auf die Frucht des Feigenbaums (Ficus carica,
Maulbeergewächs) zurück. Unser Apfel war im
Orient nicht bekannt, deshalb wird in der jüdischen
Haggadah
betont, dass die verbotene Frucht im Garten Eden kein Apfel, sondern eine Feige
war. Der Feigenbaum wurde im ganzen Komplex der
ägyptischen und mesopotamischen Kultur und des Industals während des 3.
Jahrtausends v.u.Z. als Symbol der Sinnlichkeit verehrt.
Dem "Ananda Tantra" zufolge ist die Feige die normale Form der Yoni (Vulva) das Symbol für die allumfassende Liebe (Karuna). Das ist auch der Grund für die allgemeine Verwendung des Feigenbaums als Symbol für die Erleuchtung eines Mannes, die aus seiner Verbindung mit dem weiblichen Prinzip zustande kommt. Buddha erlangte "vollkommene Erleuchtung", als er unter einem Feigenbaum saß. Sein boddhi-Baum wurde als ficus religiosa oder "heilige Feige" identifiziert. Die babylonische Ischtar wurde als kosmischer Feigenbaum Xikum bezeichnet. Im alten Rom gab es alljährlich ein wildes Fest, das mit der Juno Caprotina, der Göttin des Feigenbaums, in Zusammenhang stand und bei den Saturnalien trugen die PriesterInnen Ketten und Kränze aus getrockneten Feigen. (Walker, Symbole) Der italienische Ausdruck Mano fico bezeichnet eine Gebärde, wobei man den Daumen zwischen Mittel- und Zeigefinger als Zeichen des Koitus hindurch steckt. Diese Geste, die mano in fica, "Feigenhand", ist die symbolische Darstellung der Vereinigung beider Geschlechter (vgl. deutsch ficken) und ist orientalischen Ursprungs; Zeige- Mittelfinger und Daumen bilden eine Lingam-Yoni. Der Name erklärt sich daraus, dass sowohl im Altgriechischen wie auch im Italienischen das Wort Fico bzw. Fica nicht nur die Feigenfrucht bezeichnet, sondern auch die Vulva (vulgäritalienisch la fica "Möse"). Die Hindus nannten die Feigenhand eine heilige mudra. Nach Ovid setzten römische Hausbesitzer sie als Schutz vor bösen Zaubern ein. Nur die christlichen Kirchenmänner konnten nicht anders, als sie manu obscenus, "die obszöne Hand", zu nennen. Die kosmische Yoni-Lingam-Verbindung wurde und wird in verschiedenster Form dargestellt, siehe Honigeis weiter unten. Die Nachbildung dieser Geste wurde auch häufig als Amulett getragen.
Die Verbindung von Feige und Herz offenbart sich in dem Brauch aus Tirol, wo der Bursche dem Mädchen als Angebinde und Anfrage zugleich eine Fica aus Silber oder Bein schenkt. Schickt ihm das Mädchen die Fica wieder zurück, so sind seine Bewerbungen abgewiesen, schickt es aber als Gegengabe ein silbernes Herz, dann ist er wohl aufgenommen. Es trägt dann der Bursche das Herz an der Uhrkette, das Mädchen die Feige am Brustgeschnür. Gallische Götter, die so genannten Dusii, wurden im Mittellateinischen als ficarii, "Feigen-Esser", beschrieben. Dem entsprechen die "Lotos-Esser" Homers, denn sowohl Feige wie Lotos symbolisieren die weiblichen Genitalien. Eine biblische Allegorie finden wir im zweiten Kapitel des Hohen Liedes, wo es heißt: "Sieh nur, der Winter ist dahin; vorüber, fort ist der Regen. Die Blumen erscheinen im Lande, die Zeit des Singens ist da, und das Gurren der Turteltaube hebt an. Am Feigenbaum röten sich die Früchte."
Frühlingsstimmung! Feigen und Weintrauben werden in der Antike oft als Attribute
des Rausch
Und woher kommt unser Wort Ohrfeige? Die Ohrmuschel schwillt an und sieht aus wie eine reife Feige - nein, nicht die Frucht - nicht nur rot und prall, auch in der Form. (Zugrunde liegen gemeinsame Wurzeln in den indog. Sprachen, die mit phu, bh(e)u "schwellen" beginnen, z.B. altnordisch pūss 'Tasche, Beutel', pūstr `Ohrfeige', schweiz. pfūsig 'geschwollen', althochdeutsch buosam 'Busen' und der immer noch aktuelle engl. Ausdruck 'pussy' ist synonym mit 'Feige'.) In der Kabylei (Nordalgerien) ist die Feigensaison von solch grundlegender Bedeutung, dass die Jahreszeit nach ihr benannt wird. Der Feigenbaum ist ein Symbol der kabylischen Heirat. Die Feigen stellen Kinder dar, die nach der Ernte von Ehepaaren geboren werden. So ist in der Kabylei die Feigenzeit im Herbst auch die Zeit der Sexualität, der Hochzeiten und der Feldarbeiten. (Makilam) Das sexualfeindliche Patriarchat war über die Symbolik nicht glücklich: Es brachte die mittelalterliche Worterklärung "peccare" (sündigen) mit dem hebräischen Wort pag (Feige) in Zusammenhang. Nach islamischer Tradition sind die beiden tabuisierten Bäume des Paradiesgartens der Ölbaum und der Feigenbaum. In der christlichen Symbolik ist oft der "vertrocknete Feigenbaum" dargestellt, er symbolisiert die Jesus Christus nicht anerkennende Synagoge (das Judentum) oder die Irrlehre. Wie die Unterdrückung der Sexualität seitens der Kirche bewerkstelligt wurde, erkennen wir an der sich verändernden Wortbedeutung von dem Ursprung der Sinnlichkeit schlechthin: Feige im Sinn von Vulva, bis zum Feigling, dem ängstlichen, vor der Gefahr zurückschreckenden Mann. Bei Dasypodius (14 Jh.) ist feig "lüstern" (lat. peculans), bei Luther bereits "timidus", lat. für "verzagt". Das Grimmsche Wörterbuch listet für "feig" folgende Bedeutungen auf: 1. frech, geil, unverschämt
se hin, du alts, pöses weib,
... auf der gassen und in der kirchen ainfeltig und schlecht, im haus faig, motwillig und gescherzig. also thon die feigen weiber auch, wann sie schon junge geschickte mann haben, noch dennocht haben sie kein benügen mit inen, sunder sie nemen darneben zwen oder drei darzo. bist du ain weib, so gesell dich zu andren erbern und hailigen und nicht zu den faigen und unkeuschen weibern. wenn ein pferd so feig wirt, das es den, der uf im sitzet, abwirft, so hat es zu vil futters
Unter dem Druck solcher Moralvorschriften kam eine weitere Bedeutung hinzu:
und weil ein dem Tode Naher sich fürchtet, Todesangst fühlt: 3. feige, dem tod verfallen, mhd. Nnl: "in sinen fegen dagen" [in seinen feigen Tagen], kurz vor seinem Ende.
dazu kam:
4. unselig, verwünscht
Und ab nun steht in der Bibel geschrieben, was gefordert ist: die Verwandlung vom "feigen Herzen" in das "reine, keusche, furchtlose Herz": und denen, die von euch uberbleiben, wil ich ein feig herz machen in irer feinde land, das sie sol ein rauschend blat jagen. 3 Mos. 26, 36; welcher sich fürchtet und ein verzagts herz hat, der gehe hin und bleibe daheime, auf das er nicht auch seiner brüder herz feige mache, wie sein herz ist. 5 Mos. 20, 8; Wir müssen uns klar machen, dass
- nur Kirchenmänner schreiben und lesen konnten, und damit den Ton angaben
- Kirche und Staat immer zusammen wirken. Die Landesfürsten und Lehnsherren wollten keine lüsternen und lebenslustigen Untertanen, die "arbeitsfaul" waren. (Stichwort: Den Zehnten abgeben) Ein weiterer mittelalterlicher Ausdruck war "Feigenmänner", die schon oben erwähnten ficarii, das sind diejenigen "welche keine arbeit frei antreten, vielweniger austauren." (Grimm). Und nicht nur auf die Arbeitskraft kam es den Herrschenden an, sondern auch auf Kanonenfutter, das ohne zu murren "gottesfürchtig" und natürlich mit dem Segen der Kirche in den Krieg zieht. Bibelstellen dazu, wie oben zitiert, finden sich genug, aber deutlich wird das Ganze im Grimmschen Wörterbuch unter dem Begriff "Feigheit": 1) FEIGHEIT: in älteren schriften, petulantia, luxuria [Lüsternheit, Überfluss]: log das din vasten si meszig, das es dir si ein arzenei, das es in dir die feikeit des fleisches demme und zeme ... [Übersetzung, in etwa: schau, dass dein Fasten mäßig sei, dass es dir eine Arznei sei, dass sie in dir die Lüsternheit eindämme und zähme.] ... ein mensch, das do jung, stark, frisch und gesunt ist und kein irrung het, sinen lust und fegikeit (so) gnog zo sein. ... da sint die fuesz schnell zu bosheit und uppigkeit, und die hend vol böser werk, der lib vol feikeit. ... denn weiche, zarte und hübsche kleider ingeberend [eingeben] üppikeit des gemütes und feigkeit des fleisches vorab in jungen unerstorbenen menschen. 2) die bedeutung ignavia [lat. für Trägheit, Faulheit] könnte sich bei LUTHER finden, sie wird später die einzige: ein krieger, der im treffen feigheit bewiesen hat, wird verhöhnt. Da wurden in einem Rutsch aus "unerstorbenen", nämlich lebendigen, sinnlichen, Menschen Faulenzer! Im Duden werden Feiglinge heute als "vor der Gefahr Zurückschreckende" bezeichnet. Es ist ein Schimpfwort, und zwar für Männer, die sich lieber lustvoll Frauen zuwenden, anstatt sich von den Herrschenden für deren Zwecke ausbeuten zu lassen: Kriegsdienstverweigerer, Kirchen- und Systemkritiker, Aussteiger aller Art und Nonkonformisten.
Faulheit ist eine patriarchale Erfindung, ein abwertender Ausdruck, um Untergebene, Abhängige, Unterworfene oder Untertanen unter Druck zu setzen; ebenso raffiniert ausgedacht, wie ein "reines, unkeusches Herz" in seiner unnatürlich-asexuellen Gestalt. Die sexuell geprägte Symbolik der Feige blieb uns zwar bis heute erhalten (z.B. auch in dem Wort ficken), wurde jedoch zunehmend negativ konnotiert. "Mit der Feig´n hausieren" ist in Wien ein volkstümlicher Ausdruck für Prostitution, ein Schürzenjäger ist "a Feigen-Tandler". Aber während die Feige (Frucht) selbst abgewertet wurde, erlangte sie neue Berühmtheit in zweifacher Form: 1. Das Blatt der Feige, das die Form einer fünffingrigen Hand bildet, bedeckt verschämt genau die Blöße, die von den alten Völkern gefeiert wurde. Seit Adam und und Eva wird Nacktheit unter Feigenblättern versteckt. Das legt auch nahe, dass die Haggadah recht hat, und dass am "Baum der Erkenntnis" (Erleuchtung!) nicht Äpfel, sondern Feigen hingen, der Metapher für weibliche Sinnlichkeit. In der Sixtinischen Kapelle malte Michelangelo einen Feigenbaum direkt neben den Apfelbaum...
2. Die Form der Feige, die Vulva, wurde in einem Piktogramm versteckt, einem schlichten Umriss, dem Herz, wie wir es in vielerlei Ausprägungen heute kennen.
Dazu müssen wir Informationen über die Befruchtung der Feigenblüten heranziehen: Ungewöhnlich und einmalig ist der Bestäubungsvorgang bei den Feigen. In jahrtausendelanger Kultur haben sich aus der Wildfeige zwei Varietäten der Kulturfeige herausgebildet, die untereinander und mit einer bestimmten Gallwespe (Blastophaga psenes) eine enge Symbiose eingegangen sind.
Die Hausfeige, var. domestica,
bildet in den Blütenständen nur langgrifflige weibliche Blüten. Beide Varietäten bringen jedes Jahr drei Generationen von Blütenständen hervor:
In den Gallblüten der überwinternden
Fruchtstände der (nicht essbaren) Bocksfeige entwickeln sich die Larven der
Gallwespe und schlüpfen dort im März/April aus. Die Männchen begatten die
Weibchen in der Feige und sterben danach.
In den Bocksfeigen der gleichen Generation stechen die Weibchen die Gallblüten an und legen ihre Eier ab. Die 2. Generation der Gallwespenweibchen verlässt nach der Begattung die Bocksfeigen so wie ihre Mütter zuvor und ist nun mit Pollen der inzwischen vorhandenen männlichen Blüten beladen, die sie auf den Narben der 2. Generation der Essfeigen (sog. Fichi, Sommerfeigen) ablädt. Eine Eiablage unterbleibt hier allerdings, da die Griffel der ausschließlich weiblichen Essfeigen-Blüten länger sind als die Legestachel der Wespen. Die Eier werden wiederum in den Bocksfeigen abgelegt, wo dann die 3. Generation der Gallwespen heranwächst. Diese bestäuben dann die 3. Generation des Essfeigen (ebenfalls Fichi). Die Gallblüten der 3. Generation der Bocksfeigen (sog. Mamme, Nachfeigen) werden wiederum von wenigen überlebenden Wespen angestochen, die zusammen mit den Wespen überwintern, im Frühjahr reifen und den Kreis schließen. Alle 3 Generationen der Bocksfeige sind holzig und ungenießbar, die 2. und 3. Generation der Essfeigen dagegen sind saftig und süß. Vorfeigen und Nachfeigen dienen also ausschließlich des Fortbestands der Gallwespen, die Vermehrung der Feigenbäume ist durch die Sommerfeigen gewährleistet. Was wir an diesem Beispiel sehen ist das Weltbild matriarchaler Völker: Ein ewiger sich erneuernder Kreislauf, wo das Alte stirbt, um dem neuen Platz zu machen. Geburt, Leben, Tod, Wiedergeburt. In Ägypten wurde das Holz der wilden Feige (Maulbeerbaum) für Mumiensärge verwendet und getrocknete Feigen legte man als Schoß-Symbole für die Wiedergeburt der Toten in deren Gräber. Mit zunehmendem Einfluss des Patriarchats und besonders der christlichen Kirche, wurde die sinnliche Liebe unterdrückt und verdammt. Was mit dem kleinen Feigenblatt Adams und Evas begann, nahm enorme Ausmaße an und setzte sich bis heute unbarmherzig fort. Liebe und Sexualität wurden voneinander getrennt und das weibliche Prinzip in zwei Moralprinzipien gespalten: die Heilige und die Hure. Die Huren "gehen mit der Feige hausieren", weit entfernt von Liebe und Erleuchtung, und die Heiligen werden so lange gehirngewaschen - "rein gewaschen von allen Sünden" - bis sie ihre eigene Sinnlichkeit nicht mehr fühlen und ihren Platz in der romantischen Liebesliteratur und im Mutterkult einnehmen. Die krug- oder kelchförmige Feige finden wir noch in den Tarotkarten als "Kelche", bis die Kirche auch den Umgang mit den weissagenden Spielkarten verbietet. Ab hier leben die Tarot-Kelche in den säkularisierten Kartenspielen als Herzen weiter. Die Farbe der Sexualität durften sie behalten - es lässt sich nicht alles unterdrücken. In frühen Darstellungen des Heiliges Grals oder Kelchs wurde das Weibliche als das Herz der Welt personifiziert. Angelsächsische Chronisten sprachen von einem mystischen Paradies "wo die Venus im Grale lebt". Die universale Metapher der Feige wurde auf eine Herzsymbolik reduziert, die sich auf einen einzigen Seinsaspekt des Menschen bezieht: das Gefühl. Und während das alte Sinnbild der Feige alle Wesen betraf, männliche und weibliche, alte und junge, lebende und verstorbene, so sind für Herzensangelegenheiten und deren funktionieren nun allein die Frauen zuständig. Karuna wurde ersetzt durch entsexualisierte Liebe, versinnbildlicht als Herz, oder wie die oben aufgelisteten Redewendungen zeigen: als Herzschmerz. Wenn aber doch einmal erotische Liebe verlangt wird, dann muss "Liebe gemacht werden". Wobei wir wieder bei der Feige wären, denn ohne die geht's nicht. Honigeis mit Feigen (klick zum Aufklappen)Honigeis mit Feigen 4 Personen 1/2 Liter Milch mit 1 Vanilleschote aufkochen lassen. Vom Herd nehmen und vorsichtig 5 schaumig geschlagene Eigelbe unterrühren. Die Creme bei niedriger Temperatur auf dem Herd oder im Wasserbad so lange mit dem Handmixer aufschlagen, bis sie dick wird. Einen Esslöffel Kastanienhonig (oder mehr nach Geschmack) unterrühren und vom Herd nehmen; etwas abkühlen lassen. 75g (ca. 5 EL) Rosinen grob hacken, in 2 EL heißem Rum einweichen. 0,1 l Sahne (ca. 6 EL) schlagen und mit den Rosinen unter die Creme ziehen. In eine Form füllen und gefrieren. 4 frische Feigen waschen, aber nicht schälen, und so aufschneiden, dass sie sich wie eine Blüte oder Vulva öffnen. Auf einen feuerfesten Teller setzen, mit braunem Zucker (etwa 3 EL) bestreuen und im heißen Ofen karamellisieren lassen. Noch warm um das Eis herum anrichten, als kosmische Yoni-Lingam-Verbindung, und servieren. Diese hohe Form ist übrigens die typisch orientalische Art, Eis zu servieren, die bis nach Indien reicht. Die indischen Formen, in denen das Eis gefroren wird heißen "kulfi"; es gibt sie aus Aluminium und mittlerweile auch aus Plastik
Ein herzförmiges Symbol für die Feige, denn sie ist für ihre verdauungsfördernde Wirkung wohlbekannt.
* Rätsel:
Sie ist keine Heldin,
Quellen:
Knaurs Lexikon der Symbole
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