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Wettbewerb: Unser Erbe vom Antiken Griechenland | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von Hannelore Vonier   
Krieg ist nicht die einzige Form, in welcher sich der aggressive Väter-Kult in Szene setzt. Es gibt auch einen Krieg ohne Waffen, den man gemeinhin den friedlichen oder freien Wettbewerb nennt. Dass dieser aber weder frei noch friedlich ist, sondern einem tief verwurzelten Zwang des patriarchalen Selbstverständnisses entspringt, dafür liefert die griechische Tradition höchst eindrückliche Beispiele. Die Lebensmaxime, die dem freien Wettbewerb zugrunde liegt, hat Homer in einer berühmten Verszeile ausgesprochen:

Immer der Erste zu sein und vorzustreben den andern.[1]

Darin liegt nicht nur der Wille zur äußersten Anspannung der eigenen Kräfte und das Streben nach hohen Zielen, sondern ebenso sehr der Wunsch nach dem Triumph über den Schwächeren!

Der Wunsch, sich hervorzutun, schreibt der Graecist C. M. Bowra, zehrt von der Erniedrigung des andern, und griechische Männer wie griechische Städte befriedigten auf diese Weise ihren Ehrgeiz.

Außer bei den Siegen auf dem Schlachtfeld feierte dieser Ehrgeiz seine Triumphe in der Sportarena, und deshalb sind die nationalen Wettspiele von Delphi, Korinth und Olympia unter patriarchalen Vorzeichen zu den großen Treffpunkten der griechischen Väter- und Helden-Welt geworden. (Siehe dazu: Fußball ist unser Leben. Eine deutsche Analyse)

Mit dem Aufblühen Athens zur Stadt der Künste und zur mächtigen Handelsmetropole eröffnete sich den Vätern von Athen aber noch ein anderes Feld zum Austragen ihrer Rivalitätskämpfe. Während die Spartaner strikt auf ihrer aristokratisch-militärischen Gesinnung beharrten, entstand in Athen eine Geldaristokratie aus erfolgreichen Unternehmern und Kaufleuten, und die bildenden Künstler und die Erfinder neuer Techniken gelangten zu hohem Ruhm und Ansehen.

Ein in vieler Hinsicht typisches Beispiel für diesen neuen Stand ist die Gestalt des Daedalos, des legendären Erfinders der ersten Flugmaschine und großen Baumeisters und Ahnherrn der griechischen Bildhauer. Von ihm berichtet die Sage, er habe aus Athen nach Kreta fliehen müssen, weil er seinen Neffen Talos, den ihm seine Schwester Polykaste zur Lehre anvertraute, heimtückisch ermordet hatte:

Aus Neid auf dessen künstlerische Geschicklichkeit, mit der schon der 12jährige Knabe seinen Lehrmeister übertroffen haben soll, stürzte Daedalos den hochbegabten Jüngling vom Dach des Athenetempels.

Dieser Mord am eigenen Blut und noch dazu im geheiligten Bezirk der Athene, der Schutzgöttin der Handwerker, hat offenbar den Ruhm des großen Baumeisters nicht geschmälert.
Und dies wahrscheinlich deshalb, weil Daedalos nur etwas zu Ende führt, was dem Wesen des patriarchalen Ehrgeizes und dem glühenden Verlangen, immer der Erste zu sein, implizit ist.

Uns aber offenbart diese Tat die neurotisch-wahnhafte Komponente des väterlich-männlichen Wettbewerbs, die sich nicht an der großen Leistung als solcher orientiert - sonst hätte Daedalos seinen begabten Schüler unbedingt fördern müssen -, sondern die nur in der Überflügelung des Rivalen ihre Erfüllung findet.

Wenn wir den griechischen Leistungsbegriff im Zusammenhang mit der Wettbewerbsidee analysieren, so tritt noch ein weiterer, bedeutsamer Faktor zutage, nämlich sein Gegensatz zum Arbeitsbegriff.

Leistung ist hier nicht nur untrennbar mit dem Rivalitätskampf verbunden, sondern auch mit der Verachtung der Arbeit. Im griechisch-patriarchalen Verständnis zeichnet sich die männliche Leistung gerade dadurch aus, dass sie nie in die Niederungen der schieren Arbeit absinkt und sich nie mit den bloßen Notwendigkeiten des Lebens abmüht.

Was zählt, ist das Außergewöhnliche, das Einmalige, das Neue. Das Motto der amerikanischen Gesellschaft "Bigger is Better" gilt auch für die anderen Industrienationen.

Das bloße Ausführen einer Sache interessiert nicht, nur das auf besonders raffinierte Weise zustande Gebrachte oder das abenteuerlich Errungene, das die Leistung zum Geniestreich oder zur Heldentat macht.
Leistung ist immer das Besondere, Arbeit das Gewöhnliche, das man den Frauen und Sklaven (oder den FremdarbeiterInnen!) überlässt.

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Tor zum Konzentrationslager Dachau




 

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